7. Dezember 2016

Sparen bei Zoobesuchen

Lehrer wehren sich gegen die Streichung des jährlichen Beitrags an den Zoo.
Über 13'000 Baselbieter Schulkinder besuchten 2015 den Basler Zolli, Bild: Keystone
Sparen auf Kosten der Kinder, Basler Zeitung, 7.12. von Serkan Abrecht

Sie gehören schon zur Gesamtkulisse des Basler Zolli: lachende Schulkinder, die den Pinguinen bei ihrem Winterspaziergang hinterhergehen oder mit Klemmbrettern ausgestattet auf kleinen Klappstühlen vor den Gehegen sitzen und die Zoobewohner zeichnen. Doch für die Baselbieter Schüler sollen die Zoobesuche gestrichen werden.
Gemäss der Finanzstrategie 2017–2020 des Regierungsrats muss die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) 11,3 Millionen Franken einsparen. Darunter fallen auch die jährlichen 85 000 Franken, mit denen der Kanton seit 1994 den Basler Zoo unterstützt. Damals auf Impuls von alt Regierungsrat Peter Schmid (SP). Dafür durften alle Schulklassen des Baselbiets den Zolli für Exkursionen oder Projektwochen gratis besuchen. Der Widerstand gegen die geplanten Sparmassnahmen ist gross.

Die Amtliche Kantonalkonferenz der Lehrerinnen und Lehrer (AKK) hat Anfang November eine Petition lanciert – und die erhält beachtlichen Zuspruch. Bereits jetzt haben die Lehrkräfte 5500 Unterschriften zusammen. «Wir verstehen, dass der Kanton momentan sparen muss, und wir haben auch die Lohnkostenreduktion beim Schulpersonal geschluckt. Aber hier wird auf Kosten der Schulkinder gespart. Und dagegen wehren wir uns», sagt Lukas Flüeler von der AKK. Denn bei den 85 000 Franken handle es sich um keinen grossen Betrag, wenn man den Mehrwert für die Kinder beachte. «Sie haben durch die zahlreichen Führungen, die der Zolli anbietet, die Möglichkeiten, einen Blick hinter die Kulissen zu bekommen und auch mal mit den Zoowärtern über ihre Arbeit zu sprechen.» Die Schulkinder würden diese Möglichkeit sehr schätzen, so Flüeler.

Im Jahr 2015 besuchten über 13 000 Baselbieter Schüler den Zolli. «Sie nahmen an knapp 100 Themenführungen teil», sagt Zolli-Sprecherin Tanja Dietrich. «Wir hoffen natürlich, dass die Petition dazu beiträgt, die Leistungsvereinbarung mit dem Zolli zu verlängern, und Schulklassen aus dem Baselbiet weiterhin vom Bildungsangebot des Zolli kostenlos profitieren können.»
«Änderung ist vertretbar»
Sollte der Landrat aber tatsächlich beschliessen, den Beitrag zu streichen, könne man den Eintritt und die Führungen nicht mehr gratis anbieten. Ein Entgegenkommen wäre nicht möglich. Auch aus der Politik erhält die Lehrerschaft Rückendeckung. Von diversen Landrätinnen und Landräten aus dem links-grünen Lager liegt bereits ein Antrag vor, den Beitrag an den Zolli nicht zu streichen.

Verantwortlich für die Beitragskürzung ist die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) mit Vorsteherin Monica Gschwind (FDP). Den Informationsaustausch im Fall Zolli hat sie ihrer Kommunikationsleiterin Deborah Murith übergeben. Dass die Einsparungen nun auf die Kosten der Schulkinder gehen, bedauert Murith. «Unter Berücksichtigung zahlreicher Faktoren ist diese Massnahme aus Sicht des Regierungsrates vertretbar», erklärt sie.
Die Petitionäre bleiben optimistisch. «Wir hoffen, dass der wertvolle Beitrag an den Zolli nicht gekürzt wird», sagt Flüeler. In einer Woche wollen sie ihre Petition der zuständigen Kommission überreichen.

Offen bleibt, ob auch basel-städtische Schulkinder bald nicht mehr gratis in den Zoo dürfen. Gemäss der Basler Finanzstrategie wird die Basler Regierung unter anderem auch ihren Zustupf an den Zolli um 450 000 auf eine Million Franken herunterkürzen.
«Wir können zurzeit noch keine Auskunft geben, ob auch die Basler Schulklassen zukünftig nicht mehr unentgeltlich den Zoo besuchen können. Dazu laufen momentan noch interne Absprachen», sagt Sprecherin Tanja Dietrich.


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