Die von der Basler Zeitung aufgedeckte Unterdrückung kritischer
Forschung, über die auch in der NZZ am Sonntag vom 18. September 2016 berichtetwurde, muss in einem grösseren Zusammenhang gesehen werden, wenn die
Volksschule nicht dasselbe Schicksal wie die Universitäten erleiden soll. 1999
hat der hand- oder staatsstreichartige Federstrich eines subalternen Beamten
aus Bundesbern, gegen den Willen der mitgereisten Universitätsrektoren, in
Bologna dazu geführt, dass das ganze Schweizer Hochschulwesen an
Parlament und Volk vorbei total umgekrempelt und nach unten nivelliert wurde.
Befinden wir uns mitten in einer Kulturrevolution? 20.9. von Peter Aebersold
Frühfremdsprachen und das D-EDK Projekt „Lehrplan 21“ sind nur die
Spitze des Eisbergs. Die Vorgänge im Bildungswesen haben eines gemeinsam, es
ist ein Generalangriff gegen die fachlichen Autoritäten (Massenkündigungen im
Zürcher Unterland usw.), gegen die kritische Wissenschaft und das
bewährte Schweizer Volkschulsystem durch vom Volk gewählte Behörden, die sich
nicht als Diener des Volkes verstehen, sondern als totalitäre Vollstrecker
internationaler Reformen. Schon 2010 warnte Hans Zbinden: „Der Nachvollzug von
europäischen Reformen geschieht immer mehr an Parlamenten und Öffentlichkeit
vorbei. Und was dabei noch mehr erstaunt: Die sonst so aufmerksamen
EU-skeptischen Kreise dulden es lautlos, wenn Wissenschaft und Wirtschaft an
der Politik vorbei die Europäisierung unseres Bildungswesens vorantreibt“.
Der umstrittene „Lehrplan 21“ mit seiner konstruktivistischen
Kompetenzorientierung ist nur der Aufhänger für einen heimlichen, radikalen
Umbau des bewährten Bildungssystems, der mit einer Art
„Gehirnwäsche“ in öffentlichen Verlautbarungen der Behörden, in den Medien und
in der Lehreraus- und –weiterbildung einhergeht. Damit verbunden ist die Abschaffung
der Lehrer als fachliche Autoritäten und des Klassenunterrichts als
international anerkannte wichtigste Faktoren einer erfolgreichen Schulbildung.
Schon im Jahr 2013 hatte die NZZ mit deutlichen Worte auf diese
Gefahr hingewiesen: «Gewarnt sei vor einem staatlichen Umerziehungsplan, der inForm eines «modernen» Lehrplans daherkommt.» (Michael Schönenberger, NZZ
13.8.2013)
Wenn Lehrer ihre Stelle verlieren, weil sie ihre Schüler mit dem
„selbstorganisierten Lernen“ nicht im Stich lassen wollen, wenn eine
preisgekrönte Wissenschaftlerin, von den Behörden massiv öffentlich diffamiert
unter Druck gesetzt wird, so dass sie jetzt das Land verlässt, drängt sich ein
Vergleich mit der Kulturrevolution im kommunistischen China geradezu auf, auch
wenn die Methoden möglicherweise „subtiler“ geworden sind.
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