Was
prägt die Schule und ihr Image? – Es sind nach wie vor die Lehrpersonen, wie
sich am Bildungstag für gut 2000 St. Galler Lehrkräfte zeigte.
Die Lehrerverbände waren
auch schon auf Konfrontationskurs mit dem Bildungschef – besonders, als es um
die Entlastung der Lehrkräfte ging. Doch das ist mit dem neuen Berufsauftrag
beigelegt. Derzeit steht die Mehrheit der Lehrerschaft und Regierungsrat
Kölliker politisch auf der gleichen Seite – im Einsatz für den Verbleib des
Kantons St.Gallen im Konkordat zur Schulharmonisierung (Harmos). Die Abstimmung
vom nächsten Sonntag wird aber nicht erwähnt am jährlichen Bildungstag der
St.Galler Lehrkräfte für Kindergarten, Unterstufe, Heilpädagogik und
Handarbeit. Diesen führt das Bildungsdepartement zum zweiten Mal so durch
anstelle separater Stufen-Zusammenkünfte.
Derzeit gibt es in der
St.Galler Volksschule keine bedeutenden Veränderungen oder Streitpunkte. So
ging Bildungschef Stefan Kölliker am Samstag in der grössten Olmahalle vor gut
2000 Lehrpersonen auf ein allgemeines Thema ein: das Image der Schule. An der
Bedeutung der Beziehung zwischen Lehrperson und Schülern und am Kernauftrag der
Schule habe sich wenig geändert. Stark verändert hätten sich jedoch die
Erwartungen und die Haltung von Eltern, Lehrkräften selber und weiteren
Beteiligten.
«Schule muss am Image arbeiten»
Für den Erfolg beim
Umsetzen des Auftrags in diesem veränderten Rahmen sei ein positives Image der
Schule wichtig. Gestützt auf eigene Erfahrungen und Umfragen, stellt Kölliker
fest: «Das Prestige der Lehrberufe hat sich nicht wesentlich verändert, und die
Zufriedenheit der Lehrpersonen ist wieder höher.»
Die Schule müsse aber an
ihrem Image arbeiten, was auch Aufgabe jeder einzelnen Lehrperson sei. Denn die
Lehrberufe hätten ihre Sonderstellung verloren, der Einfluss der Lehrpersonen
bleibe jedoch unverändert hoch. Auch mit dem neuen Lehrplan werde jeder Lehrer
«seine bewährte Methodenfreiheit voll behalten».
Wie der Bildungschef im
Eingangsreferat fragte auch Natascha Verardo, TVO-Moderatorin, im
Podiumsgespräch: «Welche Lehrperson hat Sie in der Schulzeit wie geprägt?»
Hansjörg Bauer, Co-Präsident des Kantonalen Lehrerverbandes, Martina Kotschi
von der Unterstufenlehrer-Konferenz, Thomas Rüegg, Präsident des
Schulträger-Verbandes, und Inge Zimmermann vom Schulleiter-Verband berichteten
übereinstimmend: Die Persönlichkeit der Lehrerin oder des Lehrers, die Art des
Unterrichtens und der Umgang zwischen Lehrer und Schüler hatten am meisten
Einfluss. Auch darauf, ob sie als Schüler ein Fach liebten oder eben nicht.
Wie empfinden Lehrkräfte
die gestiegenen Erwartungen und das raschere Intervenieren von Eltern? Hansjörg
Bauer sieht das als positives Zeichen: «Die Eltern haben hohe Erwartungen, weil
sie uns Lehrpersonen viel zutrauen.»
Martina Kotschi ist
froh, dass eine Lehrperson heute nicht mehr Einzelkämpferin ist, sondern in
einem Team arbeitet. Thomas Rüegg sieht noch Verbesserungsbedarf, damit die
dafür zusätzlich zur Verfügung stehenden personellen Ressourcen optimal genutzt
werden. Inge Zimmermann machte die Erfahrung, dass sich viele Konflikte
zwischen Eltern und Lehrkräften durch Mediation lösen oder mindestens
entschärfen lassen.
Das einzelne Kind im Klassenverband sehen
Als grösste
Herausforderung beurteilen die Podiumsteilnehmer die Aufgabe, weiterhin eine
ganze Klasse zu unterrichten und gleichzeitig viel individueller auf das
einzelne Kind einzugehen. Thomas Rüegg verspricht sich dafür viel vom neuen,
auf Kompetenzen ausgerichteten Lehrplan.
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