Die
Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) des Nationalrats lässt im
Sprachenstreit Innenminister Alain Berset den Vortritt. Sie
beschloss am Freitag, ihre Kommissionsinitiative «Erlernen einer zweiten
Landessprache ab der Primarschule» zurückzuziehen. Mit dieser Geste möchte die
WBK die Erfolgsaussichten von Bersets Anfang Juli vorgestellter Revision des
Sprachengesetzes erhöhen. Dies sagte Kommissionsmitglied Fathi
Derder (fdp.) auf Anfrage der NZZ.
Entspannung im Sprachenstreit, NZZ, 2.9. von Andrea Kucera
Berset
skizzierte drei mögliche Szenarien, wie der Bund via Sprachengesetz
das Erlernen einer zweiten Landessprache in der Unterstufe durchsetzen könnte.
Die vom Bundesrat bevorzugte Variante greift am wenigsten in die Kompetenz der
Kantone ein und schreibt vor, dass mit Frühfranzösisch oder Frühdeutsch in der
Primarschule begonnen und der Unterricht bis zum Ende der obligatorischen
Schulzeit fortgesetzt werden muss. Sie macht aber keine Vorgaben zum Zeitpunkt
des Unterrichtsbeginns. Der Gesetzesentwurf ist bis Mitte Oktober in der
Vernehmlassung.
Von der
Stossrichtung her sind sich Bundesrat und WBK einig. Allerdings ging die nun ad
acta gelegte Kommissionsinitiative einen Schritt weiter als Bersets Vorschlag
und forderte, dass der Unterricht in einer zweiten Landessprache spätestens
zwei Jahre vor Ende der Primarschule beginne. Der Rückzieher der WBK wie auch
der am Donnerstag publik gewordene Beschluss der Thurgauer Regierung, den Ball
bezüglich der Abschaffung von Frühfranzösisch zum Parlament zurückzuspielen, zeigen:
Die Gemüter im seit zwei Jahren schwelenden Sprachenstreit haben sich etwas
beruhigt. Die Reihen hinter Berset beginnen sich zu schliessen.
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