5. September 2016

Für die Toilette sind die Eltern zuständig

Von den Kindern wird vieles verlangt. Sie müssen sich im Kindergarten in einer Gruppe integrieren, ihre Ausdrucksfähigkeit weiterentwickeln und lernen, wie man Konflikte austrägt. Da darf man auch von ihren Eltern etwas Anstrengung erwarten. Ein Kind bis zum Altern von vier Jahren dahin zu bringen, dass es tagsüber keine Windeln mehr braucht, ist - solange kein medizinisches Problem vorliegt - weder eine Hexerei noch eine Zumutung. 
Das Windelkind wird stigmatisiert und ausgegrenzt, Sonntagszeitung, 4.9. Kommentar von Nadja Pastega



Die Kindergärtnerinnen wehren sich völlig zu Recht dagegen, dass sie den Nachwuchs wickeln sollen, nur weil den Eltern das Toilettentraining zu mühsam ist. Und die es dann mit Schlaumeiereien probieren nach dem Motto: Versuchen wir mal, ob wir mit der Windel durchkommen. Noch dreister verhalten sich jene, die ein Kind, das noch nicht trocken ist, einfach ohne Windel in den Kindergarten schicken  - mit der Haltung: um den Rest wird sich die Kindergärtnerin dann schon kümmern.

Gewiss, es gibt nur wenige solche Fälle. Aber einer reicht schon, um einen Kindergarten an den Anschlag zu bringen. Im Schnitt werden pro Klasse rund 20 Kinder unterrichtet, da kann die Lehrperson nicht einfach auf der Toilette verschwinden, um einen Windelwechsel vorzunehmen. In dieser Zeit müsste sie die anderen 19 Knirpse sich selbst überlassen und hoffen, dass nichts passiert. Vor allem aber tun Eltern ihrem Kind keinen Gefallen, wenn es im Chindsgi noch Windeln tragen muss. Da kennen die Klassen-Gspäändli bekanntlich kein Pardon: Ist die Windel voll, rennen alle weg, zeigen auf den Sünder und schreien: "Pfui, das stinkt."

Die Aufregung legt nicht nur den ganzen Betrieb lahm, die Erfahrung ist vor allem fürdas Windelkind schlimm. Es wird stigmatisiert und ausgegrenzt. Dass es dazu nicht kommt, liegt allein in der Verantwortung der Eltern. 

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