Ist
es wirklich eine unheilige Allianz, wenn beim neuen Lehrplan nun Opposition vonverschiedensten Seiten kommt? Wer beim Harmonisierungsauftrag so übers Ziel
hinausschiesst wie die Lehrplanverantwortlichen, muss sich nicht wundern, wenn
jetzt die grosse Diskussion losgeht. Aus einem einfachen Lehrplan, der
Schulstrukturen und wesentliche Bildungsziele in Form von verbindlichem
Eckwerten festlegen sollte, ist ein schulisches Mammutprogramm entstanden.
Planwirtschaftlicher Kompass oder Basis für Umbau der Schule? Hanspeter Amstutz, 31.8.
Dieses
wird so detailliert beschrieben, dass die Zürcher Lehrerverbände die Bedeutung
des Lehrplans bereits stark relativieren
und ihn nicht als massgebenden Kompass für den Unterricht sehen. Das Ganze
werde nicht so heiss gegessen, wie es gekocht wurde, lautet der übereinstimmende
Tenor. Die Pädagogischen Hochschulen und der VPOD hingegen befürchten, dass der
durch den Lehrplan 21 angestrebte Umbau der Volksschule mangels finanzieller
Mittel nicht realisiert werden kann. Ein Unterricht mit massgeschneiderten
Bildungsprogrammen für jeden einzelnen und einem hohen Anteil an selbstorganisiertem
Lernen ist nur mit zusätzlichem Lehrpersonal zu erreichen.
Ist
der Lehrplan nun ein prächtiger Papiertiger, der wenig bringt und viel kostet
oder legt er die Basis für tiefgreifende Veränderungen? Diesen
Interpretationswirrwarr haben sich die Lehrplanverantwortlichen selbst
zuzuschreiben. Über Jahre hinweg wurde von den Erziehungsdirektoren von einem
Jahrhundertwerk gesprochen, das die Schule grundlegend umgestalten werde. Als
sich jedoch abzeichnete, dass man mit einer detaillierten
Bildungssteuerung ein sehr hohes Risiko
einging, wurde zurückbuchstabiert. Fast schlagartig sprachen alle nur noch von
einem Nachführen der bisher durchgeführten Reformen. Damit ist aber überhaupt
nicht mehr Klarheit über den Stellenwert des Lehrplans für die Entwicklung
unserer Volksschule geschaffen worden.
Das
Ganze zeigt sehr deutlich, dass der Lehrplan sehr wohl an seinem überzogenen
Auftrag scheitern könnte. Die Volksschule braucht weder einen
planwirtschaftlichen Bildungskompass noch einen Totalumbau. Die bisher
weitgehend hinter verschlossenen Türen geführten Diskussionen um den zentralen
Auftrag des neuen Lehrplans müssen endlich offen geführt werden. Wir haben das
Recht zu wissen, wohin die Reise geht.
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