Der Sekundarlehrerverband des Kantons Zürich kritisiert die Umsetzung
des neuen Lehrauftrags. Insbesondere ältere Lehrer würden beim Systemwechsel
benachteiligt. Weil Gespräche mit dem Volksschulamt bis jetzt nicht fruchteten,
hat der Verband einen Anwalt eingeschaltet.
Dicke Post für Bildungsdirektorin Silvia Steiner, SRF Regional, 31.8.
Die Fakten:
- · Ab Alter 57 zwei Lektionen weniger Unterricht pro Woche, 26 statt 28 Lektionen – so sah die bisherige Altersentlastung bei Lehrerinnen und Lehrern an der Zürcher Volksschule aus. Umgerechnet bedeutete dies 116 Stunden weniger Arbeit jährlich.
- · Das neue Arbeitszeitmodell ab 2017 basiert auf einer 42-Stunden-Woche. Lehrer erhalten – wie alle anderen Kantonsangestellten auch – ab 50 Jahren eine Woche zusätzliche Ferien, ab 60 zwei.
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Das Problem: Mit dem neuen System werden ältere Lehrerinnen und Lehrer
nur um 84 Stunden jährlich entlastet.
Systemwechsel benachteiligt ältere
Lehrer
Diese Differenz, bemängelt der Sekundarlehrerverband, schlage vor allem
bei Lehrern in den späten Fünfzigern zu Buche, diese würden insgesamt nicht
mehr im gleichen Umfang entlastet wie bis jetzt. «Der Systemwechsel führt bei
ihnen zu Ungerechtigkeiten», sagt der Präsident des Zürcher
Sekundarlehrerverbandes, Dani Kachel. Insgesamt, rechnet er vor, führe es zu
einer Woche zusätzlicher Arbeit pro Jahr bei gleichem Lohn.
«Wir versuchen notfalls auf dem Rechtsweg, eine Übergangsregelung zu
erwirken.» Zunächst will der Verband jedoch mit einem Schreiben direkt an
Bildungsdirektorin Silvia Steiner gelangen. «Ein Anwalt wird die rechtliche
Situation genau darlegen.» Der Brief beinhaltet aber auch einen
Lösungsvorschlag: «Wir fordern, dass Lehrer bereits ab 55 Jahren zwei Wochen
Ferien erhalten.» Das, so Kachel, wäre dann zumindest eine kleine Kompensation.
«Hier werden Äpfel mit Birnen
verglichen»
Beim Volksschulamt ist man sich der Problematik bewusst. «Wir hatten
deswegen einen regen Austausch mit den Lehrerverbänden, insbesondere mit dem
Sekundarlehrerverband», sagt Marion Völger, Chefin des Zürcher Volksschulamtes.
Zu einer Lösung ist man bis jetzt aber nicht gekommen. Marion Völger ortet ein
grundsätzliches Verständnisproblem: «Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.
Man kann die beiden Systeme nicht gegeneinander aufrechnen.»
Volksschulamt bleibt hart
Mit der heutigen Regelung, die Lehrer nach Lektionen vergütet, wisse man
schliesslich nicht genau, wie viel die Lehrer tatsächlich arbeiten. «Ausserhalb
des Unterrichts leisten die Lehrer weitere Arbeiten wie Elterngespräche,
Teamarbeit, Weiterbildung.» Mit dem neuen System werde die tatsächliche Arbeitszeit
zum ersten Mal erfasst. Vermutlich bestehe noch weiterer Erklärungsbedarf, so
Völger, den das Volksschulamt gerne zu leisten bereit sei. Mehr liege
allerdings nicht drin:
Trifft der Brief des Anwalts ein, will das Volksschulamt noch einmal das
Gespräch mit den Lehrern suchen. Auch Dani Kachel hofft auf eine gemeinsame
Lösung. Fruchtet jedoch alles nichts, sollen die Richter den Fall entscheiden.
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