Die
Schulen im Kanton Bern stehen vor Millioneninvestitionen: Stehen heute pro
Klasse drei Laptops zum Gebrauch bereit, sollte in zwei Jahren jeder Schüler
ein eigenes Gerät zur Verfügung haben. Finanzieren müssen dies die Gemeinden.
Digitaler Wandel an Berner Schulen, Berner Zeitung, 23.3. von Marius Aschwanden
Längst
sind Smartphones, Tablets und Laptops zu einem unverzichtbaren Teil unseres
Alltags geworden. Der digitale Wandel macht auch vor den Schulstuben nicht
halt. Doch laut der PH Bern herrscht in rund 90 Prozent der Schulen des Kantons
Bern Nachholbedarf. «In einem durchschnittlichen Klassenzimmer finden sich
heute drei Computer oder Laptops», sagt Kurt Reber, Leiter der Schulinformatik.
Spätestens mit der Einführung des Lehrplans 21 in zwei Jahren wird dies nicht
mehr genügen. Dann wird das eigenständige Fach «Medien und Informatik»
eingeführt. Aber auch schon heute beinhalten die Lehrmittel zunehmend digitale
Bestandteile.
Aus
diesen Gründen benötigen die Schulen massiv mehr Geräte sowie ein
leistungsfähiges Netzwerk und eine ebensolche Anbindung ans Internet. «Wir
gehen davon aus, dass künftig während gewisser Unterrichtssequenzen jede
Schülerin und jeder Schüler ein Laptop oder ein Tablet zur Verfügung haben
muss», sagt Reber. Deshalb werden die Empfehlungen für die Schulinformatik
derzeit vom Kanton überarbeitet.
Grosser
Rat hat reagiert
Klar ist
bereits jetzt: Diese digitale Aufrüstung wird die Gemeinden teuer zu stehen
kommen. Anders als bei den Lehrerlöhnen sind für die Infrastruktur der Schulen
ausschliesslich die Kommunen zuständig. Beim Verband Bernischer Gemeinden (VBG)
blickt man dem Wandel deshalb besorgt entgegen. «Für finanziell schlecht
gebettete Kommunen könnten die Kosten zu einer Herausforderung werden», sagt
Geschäftsführer Daniel Arn. Er schliesst deshalb nicht aus, dass auch über eine
neue Finanzierungsverantwortung diskutiert werden muss. Mit anderen Worten:
Wenn der Kanton Vorgaben macht, soll er sich auch an den Kosten beteiligen.
Im
Grossen Rat wurde dies letzte Woche bereits diskutiert. Im Wissen um die
anstehenden Investitionen hat das Parlament in der Bildungsstrategie 2016 den
Regierungsrat aufgefordert, eine finanzielle Unterstützung der Gemeinden bei
den Kosten für digitale Medien zu prüfen.
Unterschiedliche
Finanzen
Wie hoch
diese Kosten sein werden, kann weder die Erziehungsdirektion noch die PH oder
der VBG beziffern. Zahlen für den gesamten Kanton gibt es keine. Vereinzelt
haben Schulen aber in den letzten Jahren bereits aufgerüstet. So etwa in
Huttwil. Dort wurden vor einem Jahr sämtliche Siebtklässler mit einem
Streambook – einem abgespeckten Laptop – ausgestattet. Heuer folgen die
restlichen Oberstufenschüler. Kostenpunkt: 250 000 Franken für die Geräte und
40 000 Franken wiederkehrende Kosten. Dazu gehören etwa der technische Support
und die Weiterbildung der Lehrpersonen.
«Möchte
eine Schule den Lehrmitteln in den Fremdsprachen entsprechen, ist ein
1:1-Computing bereits heute ein Muss», sagt Gesamtschulleiter Pierre Zesiger.
Jeder Schüler sollte also ein eigenes Gerät zur Verfügung haben. Dies werde
sich im Kanton Bern aufgrund der Kosten aber kaum realisieren lassen. «Wir
haben das Glück, dass Huttwil finanziell gut dasteht und die Behörden gegenüber
unseren Anliegen sehr offen sind», sagt Zesiger. Zudem würde der Einsatz der
Streambooks auch Einsparungen bringen. So werde etwa das Informatikzimmer
aufgelöst. Trotzdem glaubt er, dass auch künftig vielerorts mehrere Schüler ein
Gerät teilen müssen.
Beispielsweise
in Ostermundigen – und dies trotz Investitionen von 1,3 Millionen Franken im
Jahr 2013 in die Schulinformatik. Vier Laptops würden derzeit pro Klasse zur
Verfügung stehen, sagt Henrik Schoop, Gemeinderat Bildung und Vizepräsident
Verband Schulbehörden Kanton Bern. Wünschenswert wäre mehr, sagt Schoop. Aber
finanziell liege dies derzeit nicht drin. Er ist überzeugt, dass sich keine
Gemeinde der Entwicklung hin zu digitalen Lerninhalten verschliessen will.
Aber: «Die Gemeinden können nicht immer noch mehr Geld für die Schulen
ausgeben.» Schoop befürchtet denn auch, dass die Ungleichheiten zwischen den
Gemeinden noch zunehmen werden, sollte das Ausgabenwachstum nicht gebremst
werden.
Internet
als Knacknuss
Bei den
Lehrmittelherstellern deutet nichts darauf hin, dass dies geschehen könnte.
«Das 1:1-Computing muss sich zum Standard entwickeln», sagt Stephan Mündlein
vom Schulverlag Plus. Digitale Elemente seien für den Verlag, der im Besitz der
Kantone Aargau und Bern ist, «zentraler Bestandteil eines jeden
Lehrmittelprojektes». Zudem würde die Entwicklung weg von CDs hin zu
webbasierten Lösungen gehen. «Insofern ist ein Anschluss ans Internet mit
genügend Bandbreite für alle Schulen eine Grundvoraussetzung», sagt Mündlein.
Kurt
Reber von der PH Bern schliesst auch nicht aus, dass Lehrmittel künftig ganz
ohne Papier auskommen könnten. Dies würde denn auch zu einem gewissen
Spareffekt für die Schulen führen. Auf der anderen Seite gehen Experten davon
aus, dass künftig nicht mehr die Geräte der höchste Kostenfaktor sein werden,
sondern die Internetanbindung.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen