Die Kritik am Lehrplan 21 ist zwar hör- und
spürbar, aber nach wie vor ziemlich diffus. Noch immer steht auch die
organisierte Lehrerschaft hinter dem Projekt, auch wenn sie die geplante
Umsetzung im Kanton Zürich letzte Woche effektvoll kritisiert hat, indem sie
sich aus allen vorbereitenden Gremien zurückzog. Der Grund: Ihre Anliegen
sollen nicht genügend berücksichtigt worden sein. Zum Zeitpunkt des Rückzugs
war die Arbeit dieser Gremien allerdings bereits weitgehend getan.
Die Einführung des Lehrplans 21 wird nicht sistiert, NZZ, 18.3. von Walter Bernet
Kurz: Die Einführung des Lehrplans 21 ist auf Kurs, allerdings
ist das Erreichen des Zielbandes noch keineswegs gesichert. Es wird innerhalb
des vom Bildungsrat geführten Projekts mit harten Bandagen gekämpft, wie das
Vorgehen des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands (ZLV) zeigt. Parallel dazu
läuft zurzeit die Behandlung der im letzten November mit 12 000 Unterschriften
eingereichten Initiative «Lehrplan vors Volk» an. Eine Abstimmung könnte
frühestens kurz vor der jetzt geplanten Einführung des Lehrplans 21 ab Sommer
2018 stattfinden.
In einer Anfrage wollte Anita Borer (svp., Uster), deren Kind
die Initiative ist, von der Regierung wissen, ob mit der Einführung des neuen
Lehrplans und den Vorbereitungsarbeiten dafür bis zur Volksabstimmung über die
Initiative zugewartet werde, und wenn nein, warum nicht. Die Antwort der
Regierung ist unzweideutig: Eine Volksinitiative entfalte mit ihrer Einreichung
keinerlei Rechtswirkungen auf Entscheide, die nach geltendem Recht gefällt
werden. Sie berühre deshalb die Beschlüsse des Regierungsrats und des nach
heutigem Recht zuständigen Bildungsrats zum Lehrplan nicht.
Grundsätzlich gelte, dass die Schule mit dem
kompetenzorientierten Lehrplan 21 nicht grundlegend umgestaltet werde. Der
Kompetenzorientierung liege ein Lern- und Unterrichtsverständnis zugrunde, das
in der Aus- und Weiterbildung seit längerem vermittelt werde. Im Fach Englisch
und im Kindergarten sei schon der geltende Lehrplan an Kompetenzen orientiert.
Das gelte auch für diverse heute gebräuchliche Lehrmittel. Zudem sei die
Einführung des Lehrplans 21 breit abgestützt; alle Verbände und Organisationen
im Bereich der Volksschule unterstützten sie grundsätzlich. Der auf der
Grundlage des Lehrplans 21 erarbeitete neue Zürcher Lehrplan für die
Volksschule werde zudem vom April bis zum November 2016 in eine breite
Vernehmlassung – auch bei den Parteien – gehen. Diese werde zeigen, welche
Akzeptanz er finde.
Den Grundsatzentscheid für den neuen Lehrplan und für einen
Kredit von knapp 4 Millionen Franken für die Einführung fällte die Regierung am
20. August 2014. Nur einen Monat später lehnte der Kantonsrat eine
parlamentarische Initiative von Anita Borer mit 105 zu 63 Stimmen (SVP, EDU,
Teil EVP)ab, die ungefähr der Volksinitiative «Lehrplan vors Volk» entspricht.
Diese wurde darauf Ende Mai 2015 lanciert.
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