19. Februar 2016

Ein Dominospiel

Die Schule ist heute eine Wachstumsbranche. Aus dem einstigen Handwerksbetrieb des Unterrichts ist schon längst eine boomende Schul-Industrie geworden, denn sie alle hatten ihre Wünsche: die Lehrerinnen und Lehrer, die Eltern, die Behörden, das Wahlvolk und die Politik. Es war wie beim Dominospiel: Jeder Wunsch zog einen nächsten nach sich. So entstanden neue schulergänzende Betriebe wie die Tagesbetreuung, die Förderung, die sonderpädagogische Unterstützung oder die Schulsozialarbeit. Die entscheidende Frage war letztlich nie: Braucht es dies oder das? Begründen konnte man im Namen der Grundversicherung der Kinder für das Leben ohnehin alles.
Leserbrief, NZZ, 19.2. von Markus Stauffenegger

 - Wie Walter Bernet in seinem Leitartikel (NZZ 10. 2. 16) richtig bemerkt, gilt es nun, keine Zeit zu verlieren, um unnötige Wucherungen, überkomplizierte Strukturen oder mangelnden Output zu beenden. Dabei dürfte es sich zukünftig eher um ein Abspecken denn um Optimierungen handeln. Doch zuerst muss klar sein, dass ein tabufreies Denken über Sparen in der Schule kein Verrat an den Kindern, sondern Ausdruck einer verantwortungsvollen Sorge für sie ist. Dabei erachte ich die Beantwortung einer Frage zunehmend als Schlüssel zur Lösung: Wie wird es uns gelingen, einerseits allen Kindern einen vom elterlichen Portemonnaie unabhängigen und damit gleichen Zugang zur Schule zu ermöglichen und andererseits ebendiese Schulen in einen Markt der gesunden Konkurrenz zueinander zu schicken?


Es ist höchste Zeit, sich den unangenehmen Fragen zu stellen, denn stoppen wir den Dominoeffekt nicht, werden uns die schwarzen Steinchen zum Schaden der Kinder unkontrolliert um die Ohren fliegen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen