Am 7.
November wurde wieder einmal ein Feuerwerk bildungspolitischer Rhetorik
gezündet. Regierungsräte, Chefbeamte und Bildungsexperten präsentierten die
überarbeitete Version des LP 21, klopften sich auf die Schulter, sprachen von
„Straffung“, „mehr Klarheit“ und natürlich durfte auch strapazierte Wort „Meilenstein“
nicht fehlen. Zu der formativen Eintönigkeit dieser Veranstaltungen gehören
jeweils auch immer ein Schuss „Diffamierung“ und eine grössere Kelle „Mahnung“.
Verrenkungs- und Slalomkünstler am Werk, Bild: Sonntagszeitung
Quelle: Sonntagszeitung, 9.11. von Alain Pichard
Die Kritiken
werden munter als „Vorurteile“ bezeichnet, Kritiker in das Sammelbecken der
Dauerempörten gesteckt.
Als Praktiker
habe ich natürlich gelernt, den Voten der Bildungsfachleute zu misstrauen, die
einerseits unbegrenzte Möglichkeiten suggerieren, die ohne Belastungsfolgen
thematisiert werden, sich andererseits aber schnell ändern können, wenn es die
Situation verlangt.
Ein
Musterexemplar solch verbaler Verrenkungskünstler ist der oberste
Lehrervertreter Beat Zemp: Am 26. Juni 2013 meinte er: «Der neue Lehrplan ist
ein Meilenstein und bringt der Schule entscheidende Fortschritte.» Am 22.11.13 mahnte
er: Der Lehrplan 21 ist überladen und muss abgespeckt werden.
Einen Monat
später (23.12.13) forderte er: Die nachhaltige Entwicklung muss im Lehrplan 21
berücksichtigt werden.“
Und am besagten
7. November 2014 verkündet er wieder: „Ein Meilenstein, Note 51/2“.
Wunderbar
auch die rhetorischen Kapriolen der Regierungsräte. Am 30. Mai 2011 verkündete
die EDK: «Bund und Kantone verständigen sich auf wenige konkrete und
überprüfbare Ziele für das laufende Jahrzehnt.“ Am 26. Juni jubilierte Regierungsrätin
Aeppli: „Das ist ein Jahrhundertwerk, welche unsere Schule grundlegend
verändern wird“ Am 18. August meinte ihr Kollege und designierter EDK-Präsident
Eymann: „Für die Lehrkräfte wird sich gar nichts ändern.“ Gleichzeitig mahnt
ein internes Papier der PH Zürich: „Der Unterricht für die Einführung der
Kompetenzorientierung ist von grosser Bedeutung. Die Lehrer sind der Schlüssel
für die erfolgreiche Umsetzung des ambitionierten Vorhabens.“ Trotzdem meinte Regierungsrat
Amsler am 7. November im 10vor10: „Nein, dieser Lehrplan ist keine Schulreform.“
Wunderbar
auch die Slalomfahrt in Sachen Frühsprachenunterricht: Nachdem die
Bildungsexperten der Öffentlichkeit jahrelang den fragwürdigen Slogan „Je
früher je besser“ eingetrichtert haben, gab der bernische Regierungsrat Pulver
in einem Bund-Interview bekannt: „Der Französischunterricht wird zurzeit
evaluiert.“
Mit anderen
Worten: Unsere Bildungsexperten haben eine flächendeckende Reform, die den
Kanton Bern alleine 60 Millionen Franken kosten wird, durchgeführt, ohne die
Wirksamkeit in Versuchen vorher geprüft und evaluiert zu haben.
All das lässt
den Praktiker in der Schulstube zweifeln und vermuten: Entweder wissen diese
Leute nicht, wovon sie reden, dann haben wir es mit Ignoranten zu tun. Oder sie
wissen genau, wovon sie reden, dann ist ihre Rhetorik Teil der Durchsetzungsstrategie
und sie selber gerissene Politiker.
Wie dem auch
sei, wir die Praktiker, welche das Memorandum 550gegen550 entworfen haben,
werden uns neben Korrekturarbeiten und Unterrichtsvorbereitungen mit der neuen
Version des Lehrplans auseinandersetzen müssen. Das tun aber auch viele einfache
Leute im Lande, welche sich um die Zukunft unserer Schule Sorgen machen.

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