Auch vom Kanton her sind Anpassungen geplant, Bild: Keystone
Lehrplan-21-Skeptiker werden nur teilweise befriedigt, Basellandschaftliche Zeitung, 10.11. von Michael Nittnaus
Bei aller Kritik am Lehrplan 21 ging etwas fast unter: Die bisherige
Fassung befand sich seit längerem in Überarbeitung. Erst vergangenen Freitag
verabschiedete die Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz (D-EDK) die
dritte und finale Version und gab sie zur Einführung durch die Kantone frei.
Jetzt ist die Zeit also reif, darüber zu urteilen. Das Gute vorweg: Es
ist von der D-EDK sogar ausdrücklich erwünscht, dass nun jeder Kanton «auf
laufende kantonale Entwicklungen und unterschiedliche Bedürfnisse und
Rahmenbedingungen Rücksicht nimmt». Speziell im Baselbiet wird die
Bildungsdirektion gar nicht darum herumkommen, gewisse Anpassungen vorzunehmen.
Zu gross ist der Druck – nicht zuletzt durch die Harmos-Ausstiegs-Initiative
des Komitees Starke Schule Baselland.
Komitee Starke Schule bleibt hart
Dieses veröffentlichte auf Nachfrage der bz am Freitag eine
Stellungnahme. «Das Komitee lehnt den Lehrplan 21 ab», so der trockene
Schlusssatz. Die Hauptkritik: Die Grundphilosophie «Kompetenzen statt Inhalt»
bliebe weiter bestehen. «Die Schüler benötigen Wissen, um Kompetenzen erfüllen
zu können», schreibt Komitee-Geschäftsleiterin Saskia Olsson. Auch würden
wichtige Einzelfächer nach wie vor zu Sammelfächern und damit marginalisiert.
Zudem fehle es weiter an einer guten Lehrerausbildung, um diese neuen Fächer
überhaupt unterrichten zu können.
Wirklich ins Detail geht das Komitee inhaltlich jedoch nicht. Bedeutend
weiter ist da der Lehrerverein Baselland (LVB). Kein Wunder: «Vor rund einer
Woche wurde uns die neue Version des Lehrplans bereits von der D-EDK
präsentiert», sagt LVB-Geschäftsführer Michael Weiss. Sein verhalten
optimistisches Fazit: «Wir sehen durchaus die Chance, dass mit dem
überarbeiteten Lehrplan 21 etwas Sinnvolles gemacht werden kann, sofern man mit
der Kompetenzorientierung pragmatisch umgeht.» Entscheidend sei, was den
Lehrern nun diesbezüglich gelehrt würde.
Weiss plädiert dafür, die Freiheiten, die die überarbeitete Fassung bei
der Bewertung der Kompetenzen einräumt, auch zu nutzen. Entgegen der Aussage
des Komitees Starke Schule hat sich in diesem Bereich also durchaus etwas
getan. Konkret: Die vormals starke Fixierung auf Kompetenzen statt wirklicher
Wissensvermittlung wurde laut Weiss etwas relativiert. So stehe neu im
Lehrplan, dass «nicht alle Kompetenzen, die im Lehrplan stehen, auch beurteilt
werden müssen» und dass «Kompetenzen auf Wissen aufbauen müssen». Weiss nennt
ein Beispiel: Im Geschichtsunterricht muss die Kompetenz vermittelt werden,
«Ursachen und Folgen der Französischen Revolution» benennen zu können. Neu sind
inhaltliche Stichworte angefügt, die das verlangte Wissen präzisieren:
Ständegesellschaft, Freiheit, Gleichheit.
Kanton macht noch Anpassungen
Positiv beurteilt der LVB auch, dass die neuen Sammelfächer weiterhin
getrennt von mehreren Lehrern unterrichtet werden können. Doch längst nicht
alle Mängel seien behoben: Noch immer seien zum Beispiel weder die drei
Leistungs-Niveaus auf Stufe Sek-I noch der Übergang vom Kindergarten in die
Primarschule genügend definiert. Hier kann Weiss auf die Bildungsdirektion
zählen: «Wir haben übereinstimmend erkannt, dass in beiden Fällen ergänzende
Grundlagen geschaffen werden müssen», sagt Bildungsdirektor Urs Wüthrich auf
Anfrage. Er zeigt sich zufrieden aber nicht euphorisch, wenn er anmerkt, dass
«der Lehrplan 21 eine zweckmässige Grundlage bietet, um in Sachen
Bildungsharmonisierung einen Schritt vorwärts zu kommen». Der Druck der Kantone
auf die Überarbeitung habe sich gelohnt.
Weiss wünscht sich noch mehr: Etwa verbindliche Jahresziele, damit
Schulkinder möglichst problemlos von einer Schule in die andere wechseln
können. Solche Anpassungen kann der Baselbieter Bildungsrat noch vornehmen. Zur
Enttäuschung des LVB in Stein gemeisselt sind dagegen die zwei
Frühfremdsprachen. Für Weiss ist sowieso klar: «Es wird noch Jahre dauern, bis
der Lehrplan 21 komplett umgesetzt ist.»

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