Die Player in der riesigen
Bildungslandschaft sind heute nicht mehr die Praktiker, sondern die
Bildungsbürokraten. Hätten Lehrer – und zwar solche, die es mit Leidenschaft
und Hingabe sind – den Lehrplan entwickelt, er wäre anders herausgekommen. Er
bestünde nicht aus schwammigen Angaben, die hauptsächlich aus «die Schülerinnen
und Schüler können ...» bestehen, sondern er wäre ein knappes, klares
Handbuch, das vermittelt, was und wie unterrichtet werden soll.
Redseligkeit statt Wissen, Basler Zeitung, 8.11. Kommentar von Franziska Laur
Heute haben wir immer noch
ein Werk von 470 Seiten und unzähligen Kompetenzschritten. Dies, obwohl viele
Lehrkräfte warnen, mit dem überladenen Fuder der Kompetenzorientierung könne
man nicht arbeiten und die Schüler würden viel Aufgeblasenheit und wenig Inhalt
lernen. Ob um einen Fünftel gekürzt oder in der alten Länge: Mit dem neuen
Lehrplan wird kaum ein Praktiker arbeiten. Glücklicherweise weiss der grösste
Teil unserer Pädagogen, wie guter Unterricht aussehen soll. Das können
versierte Lehrkräfte auch ohne Lehrplan, und die anderen sind eh schon in der
Bildungsverwaltung gelandet und selig beim Schmieden von Konzepten.
Fatal ist, dass diese Reformruine nun in die
Ausbildungsgänge an den Pädagogischen Fachhochschulen fliesst. Angehende Lehrer
werden somit trainiert, dass sie nicht mehr klar auf Lernen und Wissen, sondern
auf die Pflege von inhaltslosem Geschwätz setzen. Und mit dem Dachverband der
Lehrer verraten die obersten Lehrervertreter die Basis und werden zu
Erfüllungsgehilfen der Bildungsbürokratie.
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