9. November 2014

Erfüllungsgehilfen

Die Player in der riesigen Bildungslandschaft sind heute nicht mehr die Praktiker, sondern die Bildungsbürokraten. Hätten Lehrer – und zwar solche, die es mit Leidenschaft und Hingabe sind – den Lehrplan entwickelt, er wäre anders heraus­gekommen. Er bestünde nicht aus schwammigen Angaben, die hauptsächlich aus «die Schülerinnen und Schüler können ...» bestehen, sondern er wäre ein knappes, klares Handbuch, das vermittelt, was und wie unterrichtet werden soll.
Redseligkeit statt Wissen, Basler Zeitung, 8.11. Kommentar von Franziska Laur

Heute haben wir immer noch ein Werk von 470 Seiten und unzähligen Kompetenzschritten. Dies, obwohl viele Lehrkräfte warnen, mit dem überladenen Fuder der Kompetenzorientierung könne man nicht arbeiten und die Schüler würden viel Aufgeblasenheit und wenig Inhalt lernen. Ob um einen Fünftel gekürzt oder in der alten Länge: Mit dem neuen Lehrplan wird kaum ein Praktiker arbeiten. Glücklicherweise weiss der grösste Teil unserer Pädagogen, wie guter Unterricht aus­sehen soll. Das können versierte Lehrkräfte auch ohne Lehrplan, und die anderen sind eh schon in der Bildungsverwaltung gelandet und selig beim Schmieden von Konzepten.
Fatal ist, dass diese Reformruine nun in die Ausbildungsgänge an den Pädagogischen Fachhochschulen fliesst. Angehende Lehrer werden somit trainiert, dass sie nicht mehr klar auf Lernen und Wissen, sondern auf die Pflege von inhaltslosem Geschwätz setzen. Und mit dem Dachverband der Lehrer verraten die obersten Lehrervertreter die Basis und werden zu Erfüllungsgehilfen der Bildungsbürokratie.

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