5. Mai 2014

Mehr Sachlichkeit gefragt

Der Verband der St. Galler Volksschulträger SGV (Schulgemeinden-Verband) bezeichnet die Diskussion um die Fremdsprachen als "stark verpolitisiert". Diese Wendung gebraucht man immer dann, wenn keine passenden Argumente greifbar sind. Präsident Thomas Rüegg unterstellt den besorgten Lehrkräften Unsachlichkeit - für Reaktionen sei es noch zu früh! Mit solchen Voten zeigt der SGV demonstrativ, wie politisch er selbst zusammengesetzt ist und disqualifiziert sich gleichzeitig für die dringend notwendige pädagogische Debatte über die Primarfremdsprachen. (uk)







Ebenfalls diskutiert: Medien im Unterricht, Bild: Urs Jaudas


Schulthemen verlangen Sachlichkeit, St. Galler Tagblatt, 5.5. von Claudia Schmid



Die Hauptversammlung des Verbandes St.Galler Schulträger SGV fand am Samstag im Oberstufenzentrum Mosnang statt. In seinen Begrüssungsworten listete Präsident Thomas Rüegg die wichtigsten Themen auf, welche die Schulen zurzeit und künftig beschäftigen. Als Stichworte nannte er die Medialisierung, das Lehrerbild der Zukunft, die Demographie mit Schliessung von Schulen als Folge, Tagesstrukturen, Spardruck und Finanzen, Sprachendiskussion, Lehrplan 21 und Integration versus Separation.
Zustimmung für Berufsauftrag
Zum neuen Berufsauftrag für die Lehrpersonen der Volksschule, über den nun der Kantonsrat zu befinden hat (Ausgabe vom Donnerstag), erklärte Thomas Rüegg, dass der SGV die Vorlage unterstütze. «Die Stossrichtung stimmt und ist sowohl inhaltlich als auch von den quantitativen Eckdaten her realpolitisch.»
Die Diskussion um die Fremdsprachen bezeichnete Rüegg als «stark verpolitisiert». Tatsache sei, dass noch keine konsolidierten Fakten vorlägen, wie gut oder schlecht die Schülerinnen und Schüler mit dem Fremdsprachen-Unterricht zurechtkämen. Momentan seien massvolle Reaktionen gefragt. Dispensationen seien nur in ausgewiesenen Situationen sinnvoll.
Die Notwendigkeit einer Erneuerung des Lehrplans sei unbestritten, betonte der Präsident. Der SGV begrüsse die in die Wege geleitete Anpassung. Zum Stichwort Sonderpädagogik vermerkte er, dass wohl nicht alles auf den 1. Januar umgesetzt werden könne. Rüegg rief die Schulträger zudem auf, das Projekt Frühe Förderung zu unterstützen. Die Versammlung wählte Marlis Angehrn neu in den Vorstand des SGV. Sie ist ab September die neue Schulamtsleiterin der Stadt St.Gallen und tritt die Nachfolge von Christian Crottogini an, der in Pension geht.
Sonderpädagogik und Lehrplan
Nach der Hauptversammlung gab Generalsekretärin Esther Friedli Informationen aus dem Bildungsdepartement. Sie bezeichnete das Sonderpädagogik-Konzept, das am Freitag in die Vernehmlassung gegangen ist, als momentan wichtigstes Projekt. Die Vernehmlassung zum Lehrplan 21 habe gezeigt, dass das Interesse am Thema sehr gross sei. Zurzeit werde er um 20 Prozent gekürzt. Sie sei zuversichtlich, dass die Überarbeitung per Ende Jahr verabschiedet werden könne, betonte Friedli. Franco De Zanet überbrachte Grussworte aus dem Erziehungsrat. Er betonte, die Zusammenarbeit mit dem SBV sei dem Erziehungsrat sehr wichtig. Nur zusammen könne man den Herausforderungen an ein gutes Bildungssystem gerecht werden.
Der Verband St.Galler Volksschulträger repräsentiert mehr als 90 Schulgemeinden und Schulen in Einheitsgemeinden im Kanton. Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehören die Zusammenarbeit mit dem Bildungsdepartement, dem Erziehungsrat, dem Lehrerverband und den lokalen Schulen. Der SGV nimmt zu Fragen der Volksschule Stellung, organisiert Kurse für Schulbehörden und unterstützt Schulverwaltungen in administrativen Angelegenheiten.


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