Quelle: NZZaS, 23.3.
Vieles käme besser heraus auf der Welt, wenn man mehr auf die
Praktiker als auf die Theoretiker hören würde. So ist es auch bei den
Frühfremdsprachen in der Primarschule. Bundesrat Berset sollte sich einmal
umhören in ein paar Deutschschweizer 6. Klassen und schauen, was den Kindern
vom rudimentären Französischunterricht geblieben ist. Seine Illusionen wären
schnell dahin, und er würde Michael Furger recht geben, dass der Zusammenhalt
unseres Landes nicht von einigen kläglichen Brocken Französisch abhängt, welche
die Kinder eventuell noch im Gedächtnis haben. Praktiker sind hier die
Lehrpersonen, und diese wenden sich klar gegen zwei Fremdsprachen an der
Primarschule, weil ein durchschnittlich begabtes Kind damit überfordert ist.
Die Theoretiker in der Politik sollten das endlich einsehen und auf Vernunft
statt auf Prestige setzen!
Oskar Meier, Bazenheid (SG)
Der Beitrag von Michael Furger zum Frühfranzösisch lässt an
Klarheit nichts zu wünschen übrig. Der richtige Zeitpunkt für den Einstieg ins
Frühfranzösisch ist in erster Linie eine pädagogische Angelegenheit und keine
eidgenössische Schicksalsfrage. Sicher hat der dramatische Einbruch des
Englischen in unseren Alltag durch Musik und Marketing zu einer teilweisen
Verdrängung der französischen Kommunikation geführt. Dies mag man ehrlich
bedauern, aber letztlich kann diese Entwicklung kaum durch einen
bildungspolitischen Eingriff korrigiert werden. In der Primarschule hat sich
das vielgepriesene frühe Lernen von zwei Fremdsprachen nebeneinander nicht
bewährt. Mit dem Kurzfutter-Konzept mit nur zwei Wochenstunden pro Fremdsprache
hat rund die Hälfte der Primarschüler keine Chance, ohne stützende Massnahmen
in beiden Sprachen auf einen grünen Zweig zu kommen. Diese erhebliche Belastung
der Primarschule durch die Fremdsprachen geht auf Kosten anderer zentraler
Fächer, die den Kindern weit mehr bedeuten und nachhaltigeren Lernerfolg versprechen.
Hanspeter Amstutz, Fehraltorf (ZH)
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