24. Februar 2020

Mehr Geld für integrative Schule


720 Schülerinnen und Schüler im Kanton Basel-Stadt benötigen sogenannte verstärkte Massnahmen. Sprich: Sie sind in einer Regelklasse nicht tragbar, auch nicht mit den entsprechenden Förderangeboten. Sie müssen unter anderem in Sonderschulen unterrichtet werden. Die Zahl dieser Kinder stieg in den vergangenen Jahren stark an – in den vergangenen fünf Jahren von 570 auf rund 720, und ist damit wieder auf dem Level von 2010, als das Projekt der integrativen Schule in Basel startete.
Integrative Schule: Es besteht Reformbedarf - und es braucht mehr Geld, BZ Basel, 24.2.

Der Hauptgedanke der integrativen Schule ist der Versuch, möglichst alle Kinder und Jugendlichen – auch solche mit einer Behinderung, einer Lernschwäche oder einer besonderen Begabung – gemeinsam zu unterrichten. Dafür wurde der Personalbestand aufgestockt: Lehrpersonen werden von Heilpädagogen unterstützt. Dazu kommen zusätzliche Förderangebote für Schülerinnen und Schüler mit spezifischen Problemen, wie etwa Deutschkurse für Fremdsprachige, Logopädie, Psychomotorik oder Einführungsklassen.

Mittlerweile fällt eines von zwanzig Kindern unter die sogenannte Separationsquote. Erziehungsdirektor Conradin Cramer sagte vergangene Woche im Basler Parlament, dass er davon ausgehe, dass die Zahl weiter steigen werde – auch weil man die integrative Schule entlasten wolle. Entsprechend kündigte Cramer auch bereits an, beim nächsten Budget mehr Mittel zu beantragen. Beziffert werden können die Mehrkosten noch nicht. «Das Problem ist erkannt. Wir werden jetzt mit verstärkten Massnahmen kommen», sagte Cramer.

Gemäss Erziehungsdepartement sollen die sonderschulischen Spezialangebote noch differenzierter ausgestaltet werden. Auch das Angebot für lernschwache und teilweise auch im Verhalten anspruchsvolle Schülerinnen und Schüler soll besser auf die Kinder zugeschnitten sein. Schon heute gibt es etwa die Möglichkeit, solche Kinder vorübergehend separativ zu unterrichten.

Verstärkte Massnahmen sind allerdings oft sehr einschneidend für den Alltag, das soziale Umfeld oder den Lebenslauf eines Schülers. Zumal sie meist sehr lange dauern. «Bevor man ein Kind aus der Regelklasse nimmt, muss das gut überlegt sein», sagt Cramer. «Aber ein Hin und Her würde diesen Kindern, die es schwer genug haben, schaden», sagt Cramer.

Niederschwellig und im gewohnten Umfeld
Einen anderen Ansatz verfolgt die Freiwillige Schulsynode. Präsident Jean-Michel Héritier plädiert für ein zusätzliches Instrument: Eine spezielle Förderlerngruppe, in der die betreffenden Kinder vorübergehend intensiver betreut werden könnten. Im Gegensatz zu den früheren Kleinklassen und den jetzigen Spezialangeboten wäre diese niederschwellig und durchlässig ausgestaltet. «Die Schülerinnen und Schüler bleiben in ihrem gewohnten Umfeld im gleichen Schulhaus», sagt Héritier.

Sobald sich die Situation verbessert hat, sollen die Kinder wieder in ihre alte Klassen zurückkehren können. Héritier betont: «Es braucht dringend Massnahmen.» Die Gewerkschaft weise seit Jahren auf die Probleme hin. «Ich möchte, dass endlich in den Schulzimmern ankommt, was wir schon lange besprechen.»

Die Idee der Schaffung von Förderlerngruppen kommt auch bei Martina Bernasconi gut an. Die FDP-Grossrätin hatte mit ihrem Vorstoss die neuste Debatte ausgelöst. «Ich stehe zu hundert Prozent zur integrativen Schule», sagt Bernasconi. «Aber es braucht jetzt Lösungen.» Ein schwer zu integrierendes Kind müsse momentan bis zu einem halben Jahr auf einen Platz in einem Spezialangebot warten – «das ist unhaltbar».

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