Eile und Hektik halten Einzug in die Schule –
und mit ihnen der Effizienzimperativ. Doch Lernen lässt sich nicht beschleunigen.
Schule braucht Zeit. Eine Erinnerung an ihren Ursprung.
Die Schule hat einen wunderschönen Namen. Er stammt aus dem
Altgriechischen. Aristoteles‘ geschliffener Begriff müsste Programm sein:
scholé, was so viel wie Musse heisst.[1] Die Schule, die scholé, wäre jener
Ort, an dem sie noch möglich sein müsste, eine gewisse Musse. Ein Ort, an dem
man füreinander Zeit hat und einander zuhört, zueinander findet und sich
aneinander reibt, miteinander lernt und gemeinsam zu Neuem unterwegs ist. Das
ist der tiefe Sinn von Schule. Bildung basiert auf scholé. Lernen kann man
nicht beschleunigen. Lernen kennt keine Autobahnen, keine Schnellstrassen und
keine abgekürzten Routen oder gar Überholspuren. Da gelten Feldwege und da
gehören Bergpfade dazu. Manchmal auch Unterholz und Dickicht. Und natürlich
Umwege. Darum braucht Lernen Zeit. Eben: scholé!
Bildung braucht "scholé", Journal21, 3.11. von Carl Bossard
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