6. September 2018

Trotz Kritik wird an den vierkantonalen Leistungstests festgehalten

Die Regierungen von Basel-Stadt, Baselland, Aargau und Solothurn verteidigen die Leistungschecks in den Nordwestschweizer Schulen durch dick und dünn. Lehrerinnen und Lehrer, Politikerinnen und Politiker mögen noch so heftig Kritik üben: Die Bildungsdirektoren wollen an den Checks in der dritten, sechsten, achten und neunten Klasse festhalten.
Ein einziger Abstrich wurde bisher vorgenommen: Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer willigte ein, auf den Check S3 vor Schulaustritt künftig zu verzichten. Vom Tisch sind die Versuche, einzelne oder mehrere Checks abzuschaffen, noch nicht: In Basel-Stadt, Baselland und Solothurn müssen die Regierungen die Anliegen prüfen. Im Aargau scheiterte ein Vorstoss knapp, nachdem die Motionäre nicht bereit waren, den Vorstoss unverbindlich als Postulat zu überweisen.
Alle vier Bildungsdirektoren verteidigen einheitliche Checks, Basler Zeitung, 6.9. von Thomas Dähler


Alle vier Schulchecks werden unterdessen in den Primarschulen und in der Sek aller vier Kantone der Nordwestschweiz flächendeckend durchgeführt. Sie dienen der Standortbestimmung der Schülerinnen und Schüler und ihrer Schulen und zeigen die individuellen Lernerfolge nach einheitlichen Standards auf.

Getestet werden die Kompetenzbereiche gemäss Lehrplan 21. Für die Durchführung zeichnet das Institut für Bildungsevaluation der Universität Zürich verantwortlich. Die jeweils veröffentlichten Fachergebnisse ermöglichen einen kantonalen Vergleich über die Leistungen. Geprüft wird in Mathematik und Deutsch, in den oberen Klassen auch in den Fremdsprachen und in Natur und Technik.

Reine Zeitverschwendung?
Kritisiert werden die Tests in allen vier Kantonen von den Lehrkräften. In Basel-Stadt haben sie das Erziehungsdepartement gemeinsam aufgefordert, alle Tests abzuschaffen. Der VPOD Region Basel hat die Schulchecks scharf verurteilt. «Die Checks sind Zeitverschwendung und bringen keinerlei neue Erkenntnisse, denn letztlich bestätigen sie nur das, was man bereits weiss», schrieb der VPOD einst in einer Medienmitteilung. Verteidigt werden sie in allen Kantonen von Wirtschaft und Gewerbe. Insbesondere in den Sekundarschulen ermöglichten sie einen nützlichen Vergleich zwischen den individuellen Ergebnissen und den Anforderungsprofilen von Lehrstellen, unabhängig von Schulklasse, Leistungszug, Lehrkraft und Kanton. Fachleute aus dem Gewerbe erklären sogar, die Schulchecks könnten die privatwirtschaftlich durchgeführten Basic- und Multi-Checks ersetzen.

In allen vier Kantonen ist inzwischen die Politik aktiv geworden. Im Kanton Basel-Stadt sind zwei überwiesene Vorstösse hängig, welche darauf abzielen, die Checks ersatzlos zu streichen. In Baselland ist ein überwiesenes Postulat unbeantwortet, das eine Reduktion der Checks anpeilt. Ausserdem verlangt eine noch nicht behandelte Motion die Abschaffung des letzten Checks vor Schulaustritt. Im Kanton Solothurn wurde ein Auftrag überwiesen, der weniger Überprüfungen, Tests und Checks durchsetzen will. Im Aargau schliesslich drang eine Koalition von Grossräten aller Parteien mit dem Anliegen nicht durch, den Check vor Schulaustritt zu streichen; die Motionäre waren nicht dazu bereit, den Vorstoss in einen reinen Prüfungsauftrag umzuwandeln.

Auffallend ist dabei, dass die Regierungen in ihrer Verteidigungsstrategie stets auf den Bildungsraum Nordwestschweiz verweisen und den Nutzen im vierkantonalen Regierungsausschuss zuerst gemeinsam beurteilen wollen. «Dass verschiedene Arbeitsgruppen ein neu eingeführtes Instrument erst kennenlernen und den Nutzen erfahren müssen, ist ein normaler und erwarteter Entwicklungsprozess», schreibt etwa das Aargauer Bildungsdepartement von Alex Hürzeler. Auch die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind verweist auf den «Entwicklungsprozess», der Zeit brauche.

An den Lehrplan 21 gebunden
Am deutlichsten ist das Erziehungsdepartement von Conradin Cramer in Basel-Stadt. Eine objektive Leistungseinschätzung sei unseriös, wenn die Leistungen nicht, wie in den Checks, unabhängig von Lehrer und Klasse erhoben würden. «An diese neue Perspektive müssen sich die Lehrpersonen erst gewöhnen.» Volle Wirkung würden die Checks ohnehin erst entfalten, wenn wirklich nach dem Lehrplan 21 und den geforderten Kompetenzen unterrichtet werde. Und der Solothurner Bildungsdirektor Remo Ankli meint, die Schulen müssten wissen, wo die Schülerinnen und Schüler nach elf Jahren Volksschulbildung stehen. Die Checks seien für die Volksschule ein wichtiges Instrument zur Qualitätsentwicklung.


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