Um Algorithmen zu verstehen, brauche
es nicht zwingend einen PC, sagt Regierungsrat Bernhard Pulver.
"Nun holen uns diese Themen ein", Bund, 18.11. von Andres Marti
Herr Pulver, Fachleute
bemängeln die digitalen Kompetenzen von Schweizer Kindern. Hat die Berner
Erziehungsdirektion die Digitalisierung verpasst?
Ich sehe das nicht so. Im Kanton Bern wird ab nächstem Sommer in der 5., 6., 7. und 9. Klasse je eine Lektion Medien und Informatik unterrichtet, andere Kantonen sind da bescheidener. Zudem investieren derzeit viele Berner Gemeinden in ihre ICT-Infrastruktur.
Ich sehe das nicht so. Im Kanton Bern wird ab nächstem Sommer in der 5., 6., 7. und 9. Klasse je eine Lektion Medien und Informatik unterrichtet, andere Kantonen sind da bescheidener. Zudem investieren derzeit viele Berner Gemeinden in ihre ICT-Infrastruktur.
Viele Berner Gemeinden
fürchten sich aber deshalb vor einem massiven Kostenanstieg. Sollten sie nicht
vom Kanton unterstützt werden?
Der Kanton könnte sie bei Dienstleistungen unterstützen, etwa durch eine geschützte Cloud. Das brauchte aber Gesetzesanpassungen.
Der Kanton könnte sie bei Dienstleistungen unterstützen, etwa durch eine geschützte Cloud. Das brauchte aber Gesetzesanpassungen.
Reicht es, wenn die
Gemeinden einfach neue Geräte kaufen und ein schnelles WLAN einrichten?
Nein. Die Pädagogik muss klar im Mittelpunkt stehen, schliesslich geht es darum, die digitalen Herausforderungen der Zukunft zu bestehen. Wenn von Digitalisierung in den Schulen die Rede ist, spricht man häufig nur davon, ob künftig alle Lernmittel digital sind und ob jetzt alle ein Notebook bekommen. Dabei geht es letztlich um viel grundlegendere Fragen, beispielsweise: Was ist ein Algorithmus, was ist eine Cloud, wie funktioniert Gesichtserkennung?
Nein. Die Pädagogik muss klar im Mittelpunkt stehen, schliesslich geht es darum, die digitalen Herausforderungen der Zukunft zu bestehen. Wenn von Digitalisierung in den Schulen die Rede ist, spricht man häufig nur davon, ob künftig alle Lernmittel digital sind und ob jetzt alle ein Notebook bekommen. Dabei geht es letztlich um viel grundlegendere Fragen, beispielsweise: Was ist ein Algorithmus, was ist eine Cloud, wie funktioniert Gesichtserkennung?
Sollen bereits
Kindergärteler am Computer lernen?
Ich bin nicht der Meinung, dass die Gemeinden jetzt für jeden Kindergarten Tablets anschaffen müssen. Das ist nicht Auftrag des Kindergartens, und die Erziehungsdirektion empfiehlt das nicht.
Ich bin nicht der Meinung, dass die Gemeinden jetzt für jeden Kindergarten Tablets anschaffen müssen. Das ist nicht Auftrag des Kindergartens, und die Erziehungsdirektion empfiehlt das nicht.
Ab wann sollen den
Kinder in der Schule den Umgang mit digitalen Medien lernen?
Natürlich gibt es schon Dritt- oder Viertklässler, welche zu Hause Zugang zu einem PC haben. Die Lehrer haben da viel Spielraum und können ihnen auch schon da mal am Computer etwas zeigen. Systematisch werden die Kinder aber in der 5. Klasse mit Informatik konfrontiert. Und da geht es nicht um die Anwendung einzelner Programme, sondern um Grundsätzliches, etwa wie sich die Kinder im virtuellen Raum exponieren und wie sie sich davon schützen können.
Natürlich gibt es schon Dritt- oder Viertklässler, welche zu Hause Zugang zu einem PC haben. Die Lehrer haben da viel Spielraum und können ihnen auch schon da mal am Computer etwas zeigen. Systematisch werden die Kinder aber in der 5. Klasse mit Informatik konfrontiert. Und da geht es nicht um die Anwendung einzelner Programme, sondern um Grundsätzliches, etwa wie sich die Kinder im virtuellen Raum exponieren und wie sie sich davon schützen können.
Und wie werden die
Lehrerinnen und Lehrer auf die digitale Welt vorbereitet?
Im Moment bietet die pädagogische Hochschule dazu Weiterbildungen an. Das Interesse der Lehrer ist riesig, und schon jetzt sind viele Kurse für 2018 ausgebucht.
Im Moment bietet die pädagogische Hochschule dazu Weiterbildungen an. Das Interesse der Lehrer ist riesig, und schon jetzt sind viele Kurse für 2018 ausgebucht.
Computerhersteller und
Softwareanbieter drängen in die Schulen und wittern das grosse Geschäft. Besteht
hier die Gefahr, dass Kinder vor allem zu Kunden der jeweiligen Anbieter
erzogen werden?
Da besteht durchaus ein Risiko. Da müssen die Schulen schon aufpassen. Deshalb erwarten wir von ihnen auch ein pädagogisches ICT-Konzept. In manchen Schulen herrscht heute leider noch die Meinung vor, Medien und Informatik sei Word lernen und und ein bisschen programmieren. Aber einzelne Programme zu lernen, ergibt künftig immer weniger Sinn. Wichtig ist es, Grundlagenskills zu vermitteln. Ein Algorithmus kann man auch im Schulzimmer auslegen, dafür braucht es nicht zwingend einen Computer. Es geht darum, die Logik dahinter zu verstehen. Wir wissen ja heute nicht genau, was in 20 Jahren gefragt ist.
Da besteht durchaus ein Risiko. Da müssen die Schulen schon aufpassen. Deshalb erwarten wir von ihnen auch ein pädagogisches ICT-Konzept. In manchen Schulen herrscht heute leider noch die Meinung vor, Medien und Informatik sei Word lernen und und ein bisschen programmieren. Aber einzelne Programme zu lernen, ergibt künftig immer weniger Sinn. Wichtig ist es, Grundlagenskills zu vermitteln. Ein Algorithmus kann man auch im Schulzimmer auslegen, dafür braucht es nicht zwingend einen Computer. Es geht darum, die Logik dahinter zu verstehen. Wir wissen ja heute nicht genau, was in 20 Jahren gefragt ist.
Schon heute sehr gefragt
sind persönliche Daten. Wie stellen Sie sicher, dass Schülerdaten vor fremden
Zugriff geschützt werden?
Für die Beurteilung hat die Erziehungsdirektion eine gesicherte Cloud eingerichtet. Die Clouds der Gemeinden müssen aber auch sicher sein.
Für die Beurteilung hat die Erziehungsdirektion eine gesicherte Cloud eingerichtet. Die Clouds der Gemeinden müssen aber auch sicher sein.
Und was ist mit den
Nutzerdaten der Schüler? Ist es nicht problematisch, wenn diese auf einem
Server ausserhalb der Schweiz oder der EU gespeichert werden?
Wir planen derzeit mit anderen Kantonen, einen geschützten Zugang einzurichten für alle Volksschüler. Dort soll es dann nur Apps von Herstellern geben, mit denen wir einen Vertrag unterzeichnet haben, der mit unseren Datenschutzgesetzen konform ist.
Wir planen derzeit mit anderen Kantonen, einen geschützten Zugang einzurichten für alle Volksschüler. Dort soll es dann nur Apps von Herstellern geben, mit denen wir einen Vertrag unterzeichnet haben, der mit unseren Datenschutzgesetzen konform ist.
Ist es dafür nicht etwas
zu spät?
Solche Sachen hat man sich vor vier Jahren halt noch nicht überlegt. Nun holen uns diese Themen ein.
Solche Sachen hat man sich vor vier Jahren halt noch nicht überlegt. Nun holen uns diese Themen ein.
Die Konferenz der
kantonalen Erziehungsdirektoren hat beschlossen, Informatik zu einem
Pflichtfach in den Gymnasien zu machen. Wie Viele Lektionen sind geplant?
Das kann ich heute noch nicht genau sagen. Aber es braucht sicher mehrere Lektionen. Das Fach soll vor allem in den ersten zwei Jahren unterrichtet werden und wird auf dem Fach Medien und Informatik des Lehrplans 21 aufbauen.
Das kann ich heute noch nicht genau sagen. Aber es braucht sicher mehrere Lektionen. Das Fach soll vor allem in den ersten zwei Jahren unterrichtet werden und wird auf dem Fach Medien und Informatik des Lehrplans 21 aufbauen.
Sie wollen also mehr
Informatik-Lektionen. Wird jetzt bei den Geisteswissenschaften gekürzt?
Wir haben im Kanton Bern die Lektionenzahl an den Gymnasien bereits massiv reduziert und sind unter dem schweizerischen Durchschnitt. Meiner Meinung nach braucht es für die Informatik nun zusätzliche Lektionen und damit auch mehr Geld.
Wir haben im Kanton Bern die Lektionenzahl an den Gymnasien bereits massiv reduziert und sind unter dem schweizerischen Durchschnitt. Meiner Meinung nach braucht es für die Informatik nun zusätzliche Lektionen und damit auch mehr Geld.
Für das Maturazeugnis
ist Informatik als Pflichtfach nicht relevant. Sollte Informatik nicht den
gleichen Stellenwert haben wie Mathematik oder Deutsch?
Das ist eher eine psychologische Gewichtung. Das Fach ist ja trotzdem promotionsrelevant. Im Moment wollen wir aber nicht kurzfristig die Bestehensnormen der Matura anpassen. In ein paar Jahren ist aber Informatik als Grundlagenfach sicher denkbar.
Das ist eher eine psychologische Gewichtung. Das Fach ist ja trotzdem promotionsrelevant. Im Moment wollen wir aber nicht kurzfristig die Bestehensnormen der Matura anpassen. In ein paar Jahren ist aber Informatik als Grundlagenfach sicher denkbar.
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