Ein wissenschaftliches Team soll abklären, ob an den Zürcher
Schulen Aufwand und Ertrag bei der Sonderpädagogik stimmen. Der Kantonsrat hat
am Montag gegen den Willen des Regierungsrates ein entsprechendes Postulat von
SVP und GLP überwiesen.
Zürcher Kantonsrat fordert eine Bilanz der Sonderpädagogik, NZZ, 19.9.
An der Zürcher Volksschule gilt das Prinzip der Integration: Statt in
kleinen Sonderklassen sollen möglichst alle Schülerinnen und Schüler in den
Regelklassen unterrichtet werden. Damit sei die Volksschule 2005 umgekrempelt,
ja richtiggehend umgepflügt worden, sagte Christoph Ziegler (glp., Elgg). Das
Postulat verlange nun, dass mehr als zehn Jahre danach eine Bilanz über die
Sonderpädagogik erstellt werde. «Ist das zu viel verlangt?», fragte Ziegler
rhetorisch.
Denn der Regierungsrat wollte den Vorstoss nicht entgegennehmen.
Bildungsdirektorin Silvia Steiner (cvp.) verwies auf verschiedene frühere
Studien, wonach die Lernfortschritte schulleistungsschwacher Kinder bei
integrativer Schulung deutlich besser seien als in einer besonderen Klasse.
Eine neue unabhängige Studie wäre unverhältnismässig, meinte Steiner. «Es kann
nicht davon ausgegangen werden, dass neue Resultate herauskommen.»
Regierungsrat hat zwei Jahre Zeit
Mit 123 zu 46 Stimmen hat sich der Kantonsrat dennoch klar für die
Überweisung des Postulates ausgesprochen. Es sei an der Zeit, die integrative
Schulung unter die Lupe zu nehmen, meinte unter anderen Karin Fehr Thoma (gp.,
Uster). Die investierten Mittel würden dies rechtfertigen. Die Kritik im
Kantonsrat richtete sich nicht grundsätzlich gegen die integrative Schulung an
sich. Christoph Ziegler sagte, dass «das System optimiert» werden soll.
Von einer «Weiterentwicklung» sprach Sabine Wettstein (fdp., Uster).
«Wir sind nicht gegen die Integration, aber gegen deren Umfang», sagte
Hanspeter Hugentobler (evp., Pfäffikon). Denn mit ihrer «immer absoluteren
Umsetzung» werde sie zur Dauerbelastung der Volksschule. Der Regierungsrat hat
nun zwei Jahre Zeit, einen Bericht zu erarbeiten.
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