Beim Frühfranzösisch scheiden sich die
Geister. Besonders umstritten ist dabei das Lehrmittel «Mille feuilles»: Die
einen begrüssen den neuen Ansatz, der ohne trockenes Grammatikbüffeln die
Neugier für die Sprache wecken soll. Andere halten ihn für chaotisch und
ineffizient. Die Grünliberale Partei (GLP) brachte daher am Dienstagabend in
der Safran-Zunft unterschiedliche Standpunkte auf den Tisch. Bei der
Podiumsdiskussion stand dabei nicht nur das Französisch-Lehrmittel, sondern
generell das interkantonale Fremdsprachen-Konzept «Passepartout» zur Debatte.
Dieses sieht seit 2011 vom dritten Primarschuljahr bis zum Ende der
obligatorischen Schulzeit zwei bis drei Wochenlektionen Französisch vor.
Hitzige Debatte um den Französisch-Unterricht, Basler Zeitung, 1.9. von Michel Schultheiss
Heftige Kritik aus dem Publikum musste dabei Gwendoline Lovey als
Mitautorin von «Mille feuilles» einstecken. Die Lehrerin und Fachdidaktikerin
verteidigte das Lehrmittel: Sie habe aus Schulen durchwegs positive Feedbacks
erhalten. Die Schüler verlören nämlich mit der neuen Methode die Angst vor
Sätzen mit unbekannten Wörtern. Zudem sieht sie einen demokratischen Gedanken
hinter dem frühen Start: «In der Volksschule sollen alle Kinder die Chancen
kriegen, zwei Sprachen kennenzulernen.» Dass bei den Kleinen noch vieles übers
Gehör passiere, sei zudem ein Vorteil.
Die Linguistin Simone Pfenninger, deren Studie zum frühen
Spracherwerb grosse Beachtung fand, widersprach: Der Faktor Alter sei nicht so
wichtig fürs Lernen wie bisher angenommen. Die Ergebnisse zum frühen
Sprachunterricht seien relativ enttäuschend ausgefallen – wobei sie betonte,
dass sich nicht alle ihrer Untersuchungen beim Englischen auch auf das
Französisch übertragen liessen. «Es ist ein Trugschluss, dass sich möglichst
früh besser lernt», sagte Pfenniger. Später, dafür intensiv sei besser. Die
Mehrsprachigkeit daheim liesse sich nicht einfach im Klassenzimmer simulieren.
Taugliches
Instrument gefordert
Dieter Baur, Leiter Volksschulen beim Basler
Erziehungsdepartement, räumte ein, dass der Begriff «Sprachbad» vielleicht
etwas unglücklich gewählt sei, befürwortete aber die Idee dahinter. Er
entgegnete den Passepartout-Kritikern, die Erwartungen nicht zu hoch zu setzen:
Eine perfekte Sprachbeherrschung sei in der Primarschule gar nicht das Ziel.
Auch Gaudenz Löhnert von der Geschäftsleitung der Freien Schulsynode
(FSS) plädierte dafür, sich nicht vom Lehrmittel fesseln zu lassen und offen
für Neues zu sein. Anderer Meinung war hier Philipp Loretz vom Baselbieter
Lehrerinnen- und Lehrerverband: «Sie müssen den Lehrpersonen ein taugliches
Instrument in die Hände geben.» Der ehemalige Fremdsprachen- und Deutschlehrer
Felix Schmutz äusserte ebenfalls Bedenken: Kleinere Kinder lernten noch über
Imitation – Grammatik sei ihnen noch zu abstrakt. Die jetzigen zwei bis drei
Stunden Franz reichten dafür nicht. «Im Primarschulalter müssten die Schüler
dauerbeschallt werden», sagte Schmutz. Zudem hielt er fest, dass ein
erfolgreicher Fremdsprachenunterricht strukturiert sein müsse. Dies fehle etwa
bei «Mille feuilles»: Zwischen den sogenannten «authentischen Texten» und den
anwendungsorientierten Aufgaben klaffe ein Loch.
Einig waren sich alle Podiumsteilnehmer darin, dass
Überarbeitungen des Lehrmittels sinnvoll sind – auch wenn dies aus der Sicht
der Kritiker reichlich spät passiert. Die sechs Passepartout-Kantone haben
bereits Anpassungen vorgenommen: Das Franz-Lehrmittel wird etwa mit einer
Grammatikbeilage versehen.
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