Die Thurgoviens krebsen zurück. Monatelang hatte sich die politische
Nomenklatura des Kantons im Streit um das Frühfranzösische beharrlich gezeigt:
Die Landessprache sollte in die Sekundarschule verschoben, den Thurgauer
Primarschülern nur noch Englisch unterrichtet werden – ungeachtet der Proteste
aus der Romandie und Bundesbern.
Jetzt ist der Entscheid wieder infrage gestellt. Regierungsrätin Monika
Knill lässt das Kantonsparlament noch einmal über das Konzept abstimmen: Die
Vernehmlassung des Lehrplans habe ein zu kontroverses Ergebnis gebracht. Nominell
hält Knill zwar an der Absicht fest, das Französische in der Primarschule zu
streichen. Heimlich aber wäre wohl mancher vordergründige Befürworter dieses
Kurses froh, der Grosse Rat fände auf freundeidgenössische Pfade zurück.
Leisten wir uns dieses Symbol, Tages Anzeiger, 1.9. Kommentar von Fabian Renz
Zu begrüssen wäre es in der Tat. Es ist kein guter Streit, zu dessen
Hauptakteur sich die Thurgauer unnötigerweise aufgeschwungen haben. Die
pädagogische («Ist Französisch geeignet für Kinder?») und die utilitaristische
Debatte («Verlangt die Wirtschaft nach Französisch oder Englisch?») um die
Frühfremdsprachen generierten viel Meinung und kaum Klarheit. Eindeutig ist
die Bilanz nur in symbolischer Hinsicht.
Die Westschweiz empfindet die Englisch-Welle in den Deutschschweizer
Primarschulen als Erniedrigung. Fraglos hat die traditionelle Priorität des
Französischen in unseren Schulzimmern eine eminent symbolische Komponente.
Symbolpolitik ist allgemein negativ chiffriert, oft zu Recht. Doch es macht
eben einen Unterschied, ob man mit einem Minarett- oder einem Burkaverbot ein
Symbol g e g e n oder, wie mit dem Frühfranzösischen, f ü r
eine Minderheit setzt. Französisch in der Schule steht für Gemeinschaft über
die Saane-Ufer hinweg. Daran sollten auch jene denken, deren patriotische
Regungen primär durch Treicheln und Hornussen stimuliert werden.
Ist der politische Streit beigelegt, beginnt für die
Bildungsverantwortlichen die eigentliche Arbeit. Die Resultate des
Französischunterrichts sind bedenklich schlecht, seine Ziele verfehlt er bei
weitem. Er muss besser werden, oder er wird verschwinden.
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