Der Fall
eines Ehepaars, das gegen die Busse für einen geschwänzten Elternabend vorging,
sorgt für Schlagzeilen. Für Beat Zemp, den Präsidenten des Lehrerdachverbands,
ist klar: Gerade in Zeiten, in denen Eltern den Schulen immer mehr abverlangen,
stehen auch sie in der Verantwortung.
"Elternabende sind Pflichttermine", Rdio SRF News, 6.9. von Stefan Kohler
Beat Zemp: Die Eltern müssen ihre Pflichten wahrnehmen, SRF 4 News aktuell
Die
ersten Schulwochen im August und September sind die Zeit der Elternabende. Doch
an vielen Orten sind diese nicht obligatorisch. Deshalb hat das Bezirksgericht
Bülach gestern ein Ehepaar
freigesprochen, das sich vor Gericht erfolgreich gegen eine Busse
von 200 Franken gewehrt hat. Sie waren einem Elternabend ferngeblieben.
Juristisch
ist der Fall erledigt. Nichtsdestotrotz fordert Beat Zemp, Zentralpräsident des
Dachverbands der Lehrerinnen und Lehrer, die Eltern auf, ihre Pflicht wahrzunehmen
– gerade wenn sie selber immer höhere Anforderungen an die Schulen stellen.
Beat
Zemp: Ich würde sagen, die Elterngespräche müssten unbedingt obligatorisch
sein. Hier findet eine direkte Begegnung zwischen der Lehrperson und
Erziehungsberechtigten statt, und die Lernerfolge des Kindes werden besprochen.
Bei den Elternabenden gibt es beide Modelle, also obligatorische wie auch
fakultative. In aller Regel steht es im Schulgesetz, wie viele Elternabende
obligatorisch sind. Wichtig ist, dass die Schulen klar deklarieren, ob ein
Anlass obligatorisch ist oder nicht.
Und wenn
ein Elternabend obligatorisch ist, fänden Sie es auch richtig, wenn Eltern im
Falle des Fernbleibens gebüsst werden könnten?
Ja. Viele
Kantone haben Elternbussen eingeführt. Es gab in den letzten 15 Jahren zwei
gegensätzliche Trends. Einerseits nehmen die Schulen die Eltern verstärkt in
die Pflicht, das geht bis hin zu besagten Bussen. Andererseits sind die
Erwartungen der Eltern an die Lehrpersonen und die Schulen massiv gestiegen.
Die Rekurse haben zugenommen; im Kanton Freiburg gibt es sogar Bestrebungen,
das Rekursrecht einzuschränken, weil die Flut an Rekursen durch die Eltern
nicht mehr zu bewältigen ist.
Ob
obligatorisch oder nicht: Welche Funktion haben Elternabende in einer Zeit, in
der viele Erziehungsberechtigte kritischer sind?
Es geht
vor allem darum, Vertrauen aufzubauen, sich gegenseitig kennenzulernen. Das ist
ganz wichtig. Aus der Schulwirksamkeitsforschung weiss man, dass es drei
Hauptfaktoren für die gute Entwicklung eines Kindes gibt: Die Eltern und ihre
Anteilnahme am Lernen; das Verhältnis der Lehrperson zum Kind und
professionelle Unterrichtsführung; schliesslich individuelle Faktoren bei den
Schülerinnen und Schülern, also die Motivation. Die Zusammenarbeit von Eltern
und Lehrpersonen ist dabei natürlich entscheidend.
Sie
befürworten also, dass die Lehrer mehr Druckmittel hätten, um die Eltern zur
Teilnahme an Elternabenden zu bringen?
Das
gehört dazu. Wir investieren in unserer Bundesverfassung und unserem Land
generell sehr viel bezüglich unseres Bildungswesens. Das kostet auch viel. Die
Gegenleistung der Eltern sind die Elternpflichten, dazu gehört die Teilnahme am
Elternabend. Es ist nicht mehr als recht, dass sie diese Pflicht dann auch
erfüllen.
Ein
generelles Obligatorium für Elternabende ginge Ihnen zu weit?
Elternabende
sind bereits in fast allen Schulgesetzen, die ich kenne, vorgeschrieben. Wie
genau es abgewickelt wird, hat auch mit der Tradition an der betreffenden
Schule zu tun.
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