In den Schweizer Klassenzimmern wird der Kurznachrichtendienst Whatsapp immer
häufiger genutzt – und zwar nicht nur unter den Schülern: Lehrer und ihre
Zöglinge tauschen sich immer öfter in Gruppenchats aus, viele Pädagogen
schaffen solche Gruppen für ihre Klassen.
Lehrer informieren ihre Klassen über Whatsapp, 20 Minuten, 29.8. von Camille Kündig
Solche Chats gebe es in der Stadt Zürich ab der siebten Klasse in den
meisten Schulen, sagt etwa Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher
Lehrerverbands. «Wir haben auch für meine Schulklasse so einen Chat.» Damit
seien anders als früher keine umständlichen Anrufe gemäss vorgegebener
Klassenliste mehr nötig. «Wenn der Sporttag wegen Regen abgesagt wird oder wenn
ich die Klasse bei der Schulreise informieren möchte, auf welchem Gleis der Zug
abfährt, ist der Chat sehr praktisch.»
«Solche Gruppen gibt es in vielen Klassen»
Manchmal gebe es zwar ein Kind, das kein Smartphone besitzt. «Dann muss
man diesen Schüler halt separat kontaktieren», so Lätzsch. Es gebe auch Fälle,
wo sich ein E-Mail immer noch besser eigne als der Gruppen-Chat. So zum
Beispiel, wenn eine Frage nur einen bestimmten Schüler betriffe.
Auch Beat Lüthy, Co-Präsident des Schulleiterverbands des Kantons
Basel-Landschaft, sagt: «Solche Whatsapp-Gruppen gibt es in meinem Umfeld in
vielen Klassen.» Doch eignet sich Whatsapp für die Kommunikation einer
Institution wie der Schule? Dagegen sei nichts einzuwenden, da es sich bei Whatsapp-Chats
um geschlossene Gruppen handle, findet Lüthy. Hier sei die Trennung von
Privatem und Beruflichem auch einfacher als beispielsweise bei Facebook.
«Probleme bezüglich Datenschutz»
Klassen-Chats hätten verschiedene Vorteile, so Lüthy. «So können sich
die Schüler über die Gruppe bei Abwesenheiten abmelden oder die Lehrer haben
die Möglichkeit, alle Schüler relativ einfach über Stundenausfälle zu
informieren.»
Beat W. Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerverbands, sieht den Trend
jedoch sehr kritisch. «Wir raten den Lehrern aber ab, solche Chats zu nutzen»,
sagt er. «Es kann bei Diensten, die Server ausserhalb der Schweiz benutzen,
Datenschutzprobleme bei personenbezogenen Informationen geben.» Ausserdem sei
nicht klar, inwiefern der Lehrer für die im Chat ausgetauschten Informationen
verantwortlich ist, beziehungsweise ob er verpflichtet ist, den Verlauf zu
überwachen.
«Potenzial für den Unterricht vorhanden»
Die Digitalisierung der Bildung sei aber im Fokus des Bundes und der
Erziehungsdirektorenkonferenz. «In den nächsten Jahren wird die Digitalisierung
der Bildung Realität», so Zemp.
Social-Media-Experte und Lehrer Philippe Wampfler sieht in den
Whatsapp-Gruppenchats im Schulzimmer viele Vorteile: «Sie erlauben einen
schnellen Austausch bei Fragen, die alle angehen. Ausserdem wird Whatsapp von
allen verwendet.» Darüber hinaus könnten Lehrpersonen sogar Hausaufgaben geben,
die im Kanal gelöst werden.
Den Schülern gefällts
Wampfler stellt jedoch klar: «Als Lehrer darf man nicht den Eindruck
haben, ständig präsent sein zu müssen. Es reicht, die Gruppen zu Hause einmal
anzuschauen.»
Die Schüler jedenfalls scheinen die Klassen-Chats gut zu finden: «Wenn
jemand im Whatsapp-Chat eine Frage stellt, können wir alle von der Antwort
profitieren», sagt eine Schülerin aus Yverdon VD zum Westschweizer TV-Sender RTS. Ausserdem sehe man
dank den Häkchen, ob die Nachricht angekommen ist und gelesen wurde. Das sei
auch für den Lehrer praktisch: «Wir können seine Mitteilungen dann nicht
einfach ignorieren», scherzt ein weiterer Schüler.
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