Fragt der Lehrer: «Fritzli, wer hat denn deine Hausaufgaben gemacht?»
Antwortet Fritzli: «Keine Ahnung, ich musste gestern Abend früh ins Bett.» Es
gibt unzählige solcher und ähnlicher Witze, und das kommt nicht von ungefähr.
Das Kind sollte die «Ufzgi» allein machen, das trichtern einem die Lehrer schon
am ersten Schultag ein. Aber die wahre Welt ist eine andere.
Sollen Hausaufgaben abgeschafft werden? Tages Anzeiger, 29.8. von Liliane Minor
«Ufzgi» sind ein ständiger Hort des Ärgers für Eltern. Sei es, weil das
Kind überfordert ist, das Arbeitsblatt unverständlich, die Aufgaben selbst für
Mama und Papa zu schwer. Oder weil das Kind alles andere im Kopf hat, ohne
Drohung von Hausarrest oder Fernsehentzug gar nichts macht. Nur schon das ist
ein – zugegeben egoistischer – Grund, die «Ufzgi» abzuschaffen.
Es gibt aber noch andere, bessere Gründe. Zum Beispiel, dass
Hausaufgaben ungerecht sind. Längst nicht alle Kinder haben daheim nur schon
einen vernünftigen Arbeitsplatz, geschweige denn jemanden, der ihnen helfen
kann oder sie notfalls auch antreibt. Chancengleichheit sieht anders aus.
Die Folgen sind nicht nur ein ständiger Schulfrust bei den betroffenen
Kindern, sondern auch ein ständig wachsender Lernrückstand. Diese über Jahre
angesammelten schulischen Defizite versuchen die Schulen dann, in Kursen und
Nachhilfe mühsam wieder zu verringern.
Mit Verlaub: Das ist Ressourcenverschwendung. Besser würde man an der
Wurzel ansetzen. Will heissen: Vertiefungs- und Übungsstunden in der Schule
statt Hausaufgaben. Kinder und Eltern ginge es besser damit.
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