30. August 2016

Hausaufgaben abschaffen? Ja!

Fragt der Lehrer: «Fritzli, wer hat denn deine Hausaufgaben gemacht?» Antwortet Fritzli: «Keine Ahnung, ich musste gestern Abend früh ins Bett.» Es gibt unzählige solcher und ähnlicher Witze, und das kommt nicht von ungefähr. Das Kind sollte die «Ufzgi» allein machen, das trichtern einem die Lehrer schon am ersten Schultag ein. Aber die wahre Welt ist eine andere.
Sollen Hausaufgaben abgeschafft werden? Tages Anzeiger, 29.8. von Liliane Minor


«Ufzgi» sind ein ständiger Hort des Ärgers für Eltern. Sei es, weil das Kind überfordert ist, das Arbeitsblatt unverständlich, die Aufgaben selbst für Mama und Papa zu schwer. Oder weil das Kind alles andere im Kopf hat, ohne Drohung von Hausarrest oder Fernsehentzug gar nichts macht. Nur schon das ist ein – zugegeben egoistischer  – Grund, die «Ufzgi» abzuschaffen.

Es gibt aber noch andere, bessere Gründe. Zum Beispiel, dass Hausaufgaben ungerecht sind. Längst nicht alle Kinder haben daheim nur schon einen vernünftigen Arbeitsplatz, geschweige denn jemanden, der ihnen helfen kann oder sie notfalls auch antreibt. Chancengleichheit sieht anders aus.

Die Folgen sind nicht nur ein ständiger Schulfrust bei den betroffenen Kindern, sondern auch ein ständig wachsender Lernrückstand. Diese über Jahre angesammelten schulischen Defizite versuchen die Schulen dann, in Kursen und Nachhilfe mühsam wieder zu verringern.

Mit Verlaub: Das ist Ressourcenverschwendung. Besser würde man an der Wurzel ansetzen. Will heissen: Vertiefungs- und Übungsstunden in der Schule statt Hausaufgaben. Kinder und Eltern ginge es besser damit.


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