Sollte der Lehrplan 21 2015 in Kraft treten, kommen nach zwei Jahren Kindergarten sechs anstatt vier Jahre Primarschule, Bild: Keystone
Kritik der Stadt zum Lehrplan 21, Basler Zeitung, 7.11. von Franziska Laur
In der
Nordwestschweiz steigt der Widerstand gegen die Einführung des Lehrplans 21.
Nur in Basel-Stadt war es bis anhin ruhig. Auch, als Erziehungsdirektor
Christoph Eymann ankündigte, den Lehrplan 21 als erster Kanton schon im
kommenden Jahr einführen zu wollen. Doch hinter den Kulissen regt sich
Widerstand. «In Basel spricht man nicht über die Probleme», sagt eine
Primarlehrerin, die anonym bleiben will. Sie gilt als Kritikerin der aus dem
Ruder laufenden und überstürzt eingeführten Reformen, deren Erfolg mehr als
umstritten ist.
«Der Lehrplan
21 orientiert sich mit seiner Kompetenzorientierung an diffusen Vorgaben wie
‹können Emotionen der sprechenden Person einschätzen› oder ‹können inhaltliche
Unklarheiten besprechen›», sagt sie. «Wenn nun, wie im neuen Lernplan
festgehalten, über 4000 Kompetenzen vermittelt werden müssen, führt das zu
einer wenig sinnvollen Aufsplitterung und Reduktion von relevanten
Lerninhalten.» Sie ist der Ansicht, dass während der Erarbeitung des Lehrplans
21 die Umsetzung zu wenig reflektiert worden ist. Die Folge: ein überladenes,
kaum umsetzbares Regelwerk, das heute nur minim abgespeckt präsentiert werden
dürfte.
Gaby
Hintermann, Mitglied der Geschäftsleitung der Basler Lehrergewerkschaft
Freiwillige Schulsynode und Präsidentin der Kantonalen Schulkonferenz, sagt,
man habe in der Vernehmlassung Überarbeitungswünsche angebracht, stehe jedoch
grundsätzlich hinter dem Lehrplan. «Es sind keine Begeisterungsstürme, doch man
kann damit arbeiten, wenn man es nicht allzu ideologisch betrachtet», sagt sie.
In Basel habe man auch keine wirkliche Alternative. Sonst stehe man im
kommenden Jahr an der neuen Sekundarschule ohne Lehrplan da.
Ungeeignet zum Unterrichten
Basel ist
dabei, seine Volksschule völlig neu zu strukturieren. Neu umfasst die Schulzeit
zwei Jahre Kindergarten sowie sechs anstatt vier Primarschuljahre und drei
Jahre Sekundarschule. Ab kommendem Schuljahr wäre der alte Lehrplan nicht mehr
zu gebrauchen. Daher drängt Eymann auf eine schnelle Einführung des neuen. «Wir
könnten übergangsweise den Lehrplan aus dem Kanton Baselland übernehmen», sagt
die Primarlehrerin. Dies wäre ihrer Meinung nach immer noch viel besser, als
überstürzt ein wenig taugliches Instrument einzuführen.
«Der Lehrplan
21 ist völlig ungeeignet zum Unterrichten», sagt der Basler SP-Grossrat Daniel
Goepfert. Ein 500-seitiges Regelwerk mit über 4000 Kompetenzschritten sei kaum
vermittelbar. «Vor allem die schwächeren Schüler werden auf der Strecke
bleiben.» Doch er sieht in den Schulverbänden keine grosse Hilfe für die Basis.
Sie seien befangen, weil die Bildungsverwaltung sie in Arbeitsgruppen einbinde
und dafür bezahle.
Die Einführung sei richtig und wichtig
EVP-Grossrätin
Annemarie Pfeifer hat den Ball aufgenommen und eine Interpellation eingereicht.
Sie fragt nach, ob die Einführung des Lehrplans so überstürzt auf 2015
überhaupt möglich ist und ob genügend Lehrmittel bereitstehen würden. Ja, die
Einführung sei richtig und wichtig, antwortete der Regierungsrat. Nicht zuletzt
weil dann die neue Sekundarschule beginne und man nicht einen eigenen Lehrplan
entwickeln wolle, bis die anderen Kantone auch so weit seien. Die Übernahme des
Baselbieter Lehrplans ist für ihn kein Thema. Den Schulen werde jedoch eine
grosszügige Einführungsfrist zugestanden. Eymann räumt indessen ein, dass nach
der Einführung noch nicht in allen Fächern kompetenzorientierte Lehrmittel zur
Verfügung stehen. Doch dies sei kein Problem.
Pfeifer zeigt
sich mit der Antwort wenig zufrieden. «Die lange Einführungszeit führt zu
Unsicherheiten und wird für die Lehrkräfte für lange Zeit zur Belastung», sagt
sie. Und vor allem erwartet sie, dass der Lehrplan 21 sinnvoll gekürzt und
umstrittene Kompetenzen gestrichen werden und dass die Schulen bei dessen
Umsetzung nicht einmal mehr mit einer Papierflut überschwemmt werden. «Ich
appelliere an den gesunden Menschenverstand, dass die Umsetzung schlank und
flexibel vonstattengeht, falls der Regierungsrat an seinen Plänen festhält.»

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen