7. November 2014

LP21: Eymann drängt auf Einführung

Der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann will den Lehrplan 21 im Jahr 2015 einführen - trotz Kritik von der Basis. Da der alte Lehrplan ab kommendem Schuljahr nicht mehr zu gebrauchen wäre, drängt Eymann auf die Einführung des neuen.




Sollte der Lehrplan 21 2015 in Kraft treten, kommen nach zwei Jahren Kindergarten sechs anstatt vier Jahre Primarschule, Bild: Keystone

Kritik der Stadt zum Lehrplan 21, Basler Zeitung, 7.11. von Franziska Laur


In der Nordwestschweiz steigt der Widerstand gegen die Einführung des Lehrplans 21. Nur in Basel-Stadt war es bis anhin ruhig. Auch, als Erziehungsdirektor Christoph Eymann ankündigte, den Lehrplan 21 als erster Kanton schon im kommenden Jahr einführen zu wollen. Doch hinter den Kulissen regt sich Widerstand. «In Basel spricht man nicht über die Probleme», sagt eine Primarlehrerin, die anonym bleiben will. Sie gilt als Kritikerin der aus dem Ruder laufenden und überstürzt eingeführten Reformen, deren Erfolg mehr als umstritten ist.
«Der Lehrplan 21 orientiert sich mit seiner Kompetenzorientierung an diffusen Vorgaben wie ‹können Emotionen der sprechenden Person einschätzen› oder ‹können inhaltliche Unklarheiten besprechen›», sagt sie. «Wenn nun, wie im neuen Lernplan festgehalten, über 4000 Kompetenzen vermittelt werden müssen, führt das zu einer wenig sinnvollen Aufsplitterung und Reduktion von relevanten Lerninhalten.» Sie ist der Ansicht, dass während der Erarbeitung des Lehrplans 21 die Umsetzung zu wenig reflektiert worden ist. Die Folge: ein überladenes, kaum umsetzbares Regelwerk, das heute nur minim abgespeckt präsentiert werden dürfte.
Gaby Hintermann, Mitglied der Geschäftsleitung der Basler Lehrergewerkschaft Freiwillige Schulsynode und Präsidentin der Kantonalen Schulkonferenz, sagt, man habe in der Vernehmlassung Überarbeitungswünsche angebracht, stehe jedoch grundsätzlich hinter dem Lehrplan. «Es sind keine Begeisterungsstürme, doch man kann damit arbeiten, wenn man es nicht allzu ideologisch betrachtet», sagt sie. In Basel habe man auch keine wirkliche Alternative. Sonst stehe man im kommenden Jahr an der neuen Sekundarschule ohne Lehrplan da.
Ungeeignet zum Unterrichten
Basel ist dabei, seine Volksschule völlig neu zu strukturieren. Neu umfasst die Schulzeit zwei Jahre Kindergarten sowie sechs anstatt vier Primarschuljahre und drei Jahre Sekundarschule. Ab kommendem Schuljahr wäre der alte Lehrplan nicht mehr zu gebrauchen. Daher drängt Eymann auf eine schnelle Einführung des neuen. «Wir könnten übergangsweise den Lehrplan aus dem Kanton Baselland übernehmen», sagt die Primarlehrerin. Dies wäre ihrer Meinung nach immer noch viel besser, als überstürzt ein wenig taugliches Instrument einzuführen.
«Der Lehrplan 21 ist völlig ungeeignet zum Unterrichten», sagt der Basler SP-Grossrat Daniel Goepfert. Ein 500-seitiges Regelwerk mit über 4000 Kompetenzschritten sei kaum vermittel­bar. «Vor allem die schwächeren Schüler werden auf der Strecke bleiben.» Doch er sieht in den Schulverbänden keine grosse Hilfe für die Basis. Sie seien befangen, weil die Bildungsverwaltung sie in Arbeitsgruppen einbinde und dafür bezahle.
Die Einführung sei richtig und wichtig
EVP-Grossrätin Annemarie Pfeifer hat den Ball aufgenommen und eine Interpellation eingereicht. Sie fragt nach, ob die Einführung des Lehrplans so überstürzt auf 2015 überhaupt möglich ist und ob genügend Lehrmittel bereitstehen würden. Ja, die Einführung sei richtig und wichtig, antwortete der Regierungsrat. Nicht zuletzt weil dann die neue Sekundarschule beginne und man nicht einen eigenen Lehrplan entwickeln wolle, bis die anderen Kantone auch so weit seien. Die Übernahme des Baselbieter Lehrplans ist für ihn kein Thema. Den Schulen werde jedoch eine grosszügige Einführungsfrist zugestanden. Eymann räumt indessen ein, dass nach der Einführung noch nicht in allen Fächern kompetenzorientierte Lehrmittel zur Verfügung stehen. Doch dies sei kein Problem.
Pfeifer zeigt sich mit der Antwort wenig zufrieden. «Die lange Einführungszeit führt zu Unsicherheiten und wird für die Lehrkräfte für lange Zeit zur Belastung», sagt sie. Und vor allem erwartet sie, dass der Lehrplan 21 sinnvoll gekürzt und umstrittene Kompetenzen gestrichen werden und dass die Schulen bei dessen Umsetzung nicht einmal mehr mit einer Papierflut überschwemmt werden. «Ich appelliere an den gesunden Menschenverstand, dass die Umsetzung schlank und flexibel vonstattengeht, falls der Regierungsrat an seinen Plänen festhält.»


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