Nun ist also wieder ein
Pisa-Triennium vergangen. Zurück liegen fünf internationale Vergleichsstudien.
Die Schweizer Schülerinnen und Schüler schneiden 2012 gut ab, teilweise
ausgezeichnet. Die 15-Jährigen sind kompetitiv. Dies sollte insbesondere die inländische
Wirtschaft zur Kenntnis nehmen, die sich über mangelhafte Kompetenzen der
Schulabgänger beklagt. Mittlerweile bleibt der Pisa-Hype aus, wenn die
Ergebnisse veröffentlicht werden. Das ist gut so. Denn die Pisa-Studien sind in
ihrem Aussagewert begrenzt. Es sind Beschreibungen und Momentaufnahmen. Wenn
sie aufrütteln, kann das positiv sein - sofern nicht reiner Aktivismus die
Folge ist. Präzisere Erklärungen liefert Pisa nicht. Interessant wird es, wenn
die Ursachen von Bildungserfolgen oder Bildungslücken im Zentrum stehen, wenn
die Wirksamkeit von Massnahmen überprüft und nach dem Warum gefragt wird.
Pisa hat zunächst die Sucht der
Medien nach Rankings perfekt gestillt. In Kombination mit dem dürftigen
Abschneiden der Schweizer 15-Jährigen im Jahr 2000 im Lesen war schnell eine
explosive Mischung hergestellt. Heute - dies selbstredend auch dank dem guten
Abschneiden - kann die Sache nüchterner betrachtet werden. Das muss sie aber
auch: Es sei darauf verwiesen, dass die meisten Veränderungen bei den Punktzahlen
im statistisch nicht signifikanten Bereich liegen. Man kann diesen Umstand
nicht genug betonen.
Insgesamt hat Pisa jedoch in
der Bildungspolitik einiges ausgelöst. Der Glaube an die Messbarkeit von
Bildung ist heute verbreiteter als vor zwanzig Jahren. Bildungsmonitoring und
stärkere Steuerung sind en vogue. Dabei hat eine alte Weisheit auch im 21.
Jahrhundert Bestand: Zentral für umfassende Bildung und schulischen Erfolg von
Jugendlichen ist die Qualität der Lehrperson, ihr Engagement und ihre Beziehung
zur Schülerin und zum Schüler. Es ist darauf zu achten, dass Überprüfung und
Monitoring, Steuerung und mögliche Rankings und die damit verbundene stärkere
bürokratische Belastung der Schulen den Lehrpersonen nicht die Freude am
Unterricht und die Freude an der kommenden Generation vermiesen. Beim Messen
ist masszuhalten.
Quelle: NZZ, 4.12. von Michael Schoenenberger
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