Der DeutschschweizerSchulleiterverband möchte die «Ufzgi» abschaffen. Weil die Hausaufgaben immer
wieder zu Konflikten zwischen Kindern und Eltern führen, aber auch aus Gründen
der Chancengleichheit: «Primarschüler, deren Eltern arbeiten oder aus bildungsfernen
Schichten stammen, können sich zu Hause an niemanden wenden», sagt Präsident
Bernhard Gertsch in der aktuellen «Schweiz am Sonntag». Er erhält Unterstützung
von Beat Zemp, dem Präsidenten des Lehrerverbands: «Die Hausaufgaben zu streichen, führt
zwar zu emotionalen Diskussionen», sagt dieser der Zeitung. Es gebe jedoch
geeignetere Möglichkeiten, die Selbstständigkeit von Schülern zu fördern.
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| Tagesschulen oder betreute Aufgabenstunden sollen die Last der Hausaufgaben mildern, Bild: Plainpicture
Pro Schuljahr gibt es 10 Minuten "Ufzgi", Tages Anzeiger, 30.8. von Lorenzo Petro
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Zemp
schlägt betreute Aufgabenstunden vor. Solche sind allerdings nicht neu: Es gibt
sie in Zürich bereits an vielen Schulen, etwa an der Schule Wollishofen. «Das
Angebot ist super», sagt die Mutter einer siebenjährigen Tochter, die dort seit
vergangener Woche in die zweite Klasse geht. Allerdings war sie erst irritiert,
als die Schulleitung über das Angebot orientierte. «Ist das nur für sprachlich
benachteiligte Kinder oder auch für meine Tochter?», fragte sie sich. Sie hat
ihre Tochter angemeldet, als berufstätige Mutter kommt ihr die kostenlose
betreute Stunde gelegen: Sie muss die Grossmutter erst eine Stunde später
aufbieten.
Die
Bedenken der Mutter, dass Aufgabenstunden den weniger privilegierten Kindern
vorbehalten seien, kann Regina Kesselring vom Stadtzürcher Schul- und
Sportdepartement zerstreuen: «Sie sind für alle da», sagt sie. Auch Kinder, die
wenig Mühe mit dem Stoff hätten, seien willkommen. Diese würden die
Aufsichtspersonen in der Regel weniger belasten. Auch könne man keinen
Missbrauch der Stunden als Gratisbetreuungsangebot feststellen.
Aufgaben in der Schule
lösen
Noch
weiter geht die Stadt im Projekt Tagesschule 2025, das in fünf Zürcher Schulen
bereits Realität ist: Dort wird der Grossteil der Hausaufgaben in der Schule
erledigt. Jedoch sei es vielen Eltern wichtig, über die Hausaufgaben
mitzubekommen, was die Kinder in der Schule machen, sagt Kesselring. Ganz
verschwinden werden sie also auch in der Tagesschule nicht.
«Im
Zuge des heutigen individualisierten Unterrichts stimmen die Lehrpersonen den
Unterricht ohnehin auf die Kinder ab», so Kesselring. Es liege in der Kompetenz
der Lehrpersonen, die Hausaufgaben so zu gestalten, dass Kinder sie
selbstständig bewältigen können. So könne ein Vortrag über das Lieblingstier
für verschiedene Kinder mit unterschiedlichen Aufträgen verbunden sein.
Die
Hausaufgaben abzuschaffen – im Namen der Chancengleichheit –, haben die Juso
der Stadt Zürich bereits 2009 versucht. «Weil man mit einer freiwilligen
Aufgabenstunde jene Schüler, die sie am meisten nötig haben, gerade nicht
erreicht», sagt Initiantin Linda Bär. In vielen Familien müssten beide
Elternteile Vollzeit arbeiten. «Sie haben keine Zeit, sich darum zu kümmern, ob
ihre Kinder die Hausaufgabenstunden besuchen», argumentierte die damals
23-Jährige.
Auch
zu Hause würde bei Kindern aus bildungsfernen Schichten niemand darauf pochen,
dass sie ihre «Ufzgi» machen. In bildungsnahen Familien würden Eltern hingegen
gemeinsam mit ihren Kindern die Schularbeiten lösen. «Dazu kommen private,
bezahlte Nachhilfestunden.» Doch Bärs Vorstoss scheiterte, auch am Widerstand
in den eigenen Reihen. Heute, sagt sie, hätte er zumindest in der Stadt Zürich
wieder Chancen.
Auch übers Wochenende
erlaubt
Es
scheint, als seien die Hausaufgaben nur bei den Kindern unbeliebt. Im Kanton
Zürich sind sie ein selbstverständlicher Teil des Unterrichts. «Wir erachten
Hausaufgaben als sinnvoll», sagt die Chefin des Volksschulamtes, Marion Völger.
Vorausgesetzt, das Leistungsvermögen der Kinder werde berücksichtigt.
Schulleiterinnen und Lehrer dürften entscheiden, ob, wie viele und in welcher
Form Aufgaben verteilt würden. Die Kinder sollen so Vertrauen ins eigene Können
gewinnen, sich daran gewöhnen, selbstständig zu arbeiten. Und: Sie müssten die
Aufgaben ohne die Hilfe der Eltern lösen können.
In
Stadt und Kanton Zürich gilt: Pro Schuljahr gibt es nicht mehr als 10 Minuten
Hausaufgaben pro Tag. In der ersten Klasse sind es 10, in der sechsten
Klasse 60 Minuten. Gemäss Reglement können Hausaufgaben auch längerfristig
erteilt werden, etwa mit Wochenplänen. Vom Vormittag auf den Nachmittag, vom
Vortag eines Feiertags auf den nächsten Schultag und über die Ferien sind sie
aber verboten. Über ein gewöhnliches Wochenende nicht.

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