Die
grundsätzliche Frage lautet: Soll eine Fremdsprache – sei es nun Englisch oder
Französisch – aus politischen Prestigegründen im Lehrplan stehen, oder sollen
die Schülerinnen und Schüler tatsächlich etwas lernen? Will man das Letztere,
so muss man pädagogisch-sprachdidaktische Erkenntnisse berücksichtigen. Diese
zeigen völlig eindeutig, dass weniger die Altersstufe, in welcher mit dem
Fremdsprachenunterricht begonnen wird, von Bedeutung ist als vielmehr die
zeitliche Intensität. Konkret heisst das, dass gerade am Anfang dieses
Unterrichts zwei Lektionen pro Woche zu keinem Erfolg führen, ganz gleich,
welche Methoden verwendet werden.
Fremdsprachen und Schulunterricht, NZZ, 17.6. Leserbrief von Helmut Meyer
Das gilt besonders dann, wenn es sich um eine Sprache handelt, mit
welcher der Schüler ausserhalb des Unterrichts kaum konfrontiert wird. Das
lässt sich auch für den pädagogischen Laien leicht nachvollziehen: Zwischen
diesen Lektionen liegen mehrere Tage, in welchen das meiste wieder vergessen
wird. Rechnet man dann noch die zahlreichen Stundenausfälle durch alle
möglichen Sonderveranstaltungen und unterrichtsfreie Tage hinzu, so bleibt ein
solcher Fremdsprachenunterricht ein Aschenbrödel, das leider nicht durch einen
fremdsprachigen Prinzen erlöst wird. Erfolgreicher Fremdsprachenunterricht muss
mit vier Lektionen pro Woche beginnen und dann in eine Immersionsphase
ausmünden, in welcher diese Sprache auch in «Sachfächern» angewendet wird.
Alles andere ist «So-Tun-als-ob» und Kosmetik für die Bildungspolitiker.
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