28. Dezember 2014

Happige Lohnerhöhung im Thurgau

Zum Jahreswechsel beschenken die Thurgauer Schulen ihre Lehrer mit kräftigen Lohnerhöhungen. Damit ziehen sie annäherend mit dem Kanton St. Gallen gleich. 





Die Lohnanstiegskurve wird ausgeglichen, Bild: Christian Beutler

Thurgau legt bei Lehrerlöhnen nach, St. Galler Tagblatt, 28.12. von Thomas Wunderlin


Thurgauer Lehrer im zehnten Dienstjahr erhalten nächstes Jahr 5600 Franken mehr als bisher, nämlich neu 95 800 Franken. Damit gleicht der Thurgau die «Badewanne» in der Lohnanstiegskurve aus, wie sie die Präsidentin des Lehrerverbands Bildung Thurgau, Anne Varenne, nennt. Der gesetzlich festgelegte jährliche Lohnzuwachs – ein Privileg der Lehrerschaft gegenüber der Privatwirtschaft – hatte bisher einen Hänger in der Mitte der Karriere. Während sich Einstiegs- und Maximallohn auf ähnlicher Höhe wie etwa im Kanton St. Gallen bewegten, blieben die Löhne der Thurgauer Lehrer im mittleren Alter deutlich zurück. Damit verdienten sie über ein ganzes Berufsleben gesehen deutlich weniger als im Nachbarkanton. Nun zieht der Thurgau nach, auch wenn die Jahreslöhne im mittleren Bereich noch immer 2000 bis 3000 Franken unter St.Galler Niveau liegen, wie der Chef des Thurgauer Amts für Volksschule, Walter Berger, sagt.
Vom Geldfluss in die Badewanne profitieren auch Lehrer anderer Altersklassen. Der Einstiegslohn wird um 3000 auf 79 300 Franken erhöht. Das Lohnmaximum, das nach 28 Dienstjahren erreicht wird, steigt um rund 3700 auf 119 000 Franken. Über einen Zustupf freuen dürfen sich auch Kindergärtnerinnen (neuer Maximallohn 110 000 Franken) und Sekundarlehrer (neuer Maximallohn 142 000 Franken).
Lohnzufriedenheit gesunken
Der Kreuzlinger Schulpräsident Jürg Schenkel kontert mit diesen Zahlen die am 9. Dezember veröffentlichte Umfrage des Schweizer Lehrerverbands LCH und ist dezidiert der Meinung, dass der Lehrerberuf nach wie vor ein attraktives Berufsziel sei.
Gemäss 15 000 vom Frauenfelder Sozialforscher Charles Landert ausgewerteten Online-Fragebogen erreicht die Gesamtzufriedenheit der Schweizer Lehrer den relativ tiefen Wert von 4,3 auf einer Skala von 1 bis 6. Unzufrieden sind die Lehrer demnach vor allem mit ihrem Lohn und der mangelnden Umsetzung von Reformen. Beim Lohn ist die Zufriedenheit seit der letzten Umfrage 2006 sogar gesunken, nämlich von 4,0 auf 3,6.
«Der Lehrerverband ist auf Klöni-Tour», sagt der Kreuzlinger Schulpräsident, «so schlecht ist es um Löhne und Arbeitszeit nicht bestellt.» Zumindest, was den Thurgau betreffe, seien die Lehrerlöhne «recht gut – auch gemessen an der Gesamtwirtschaft». Sie hielten beispielsweise auch einem Vergleich mit anderen akademischen Berufen wie Assistenzarzt, Ingenieur oder Jurist stand. Würden Lehrerinnen und Lehrer in die Privatwirtschaft wechseln, könnten laut Schenkel bei weitem nicht alle einen höheren Lohn erzielen. Die Studie des LCH sei in sich widersprüchlich. Da ja 82 Prozent der Befragten den Beruf wieder wählen würden, könne es um ihre Zufriedenheit nicht so schlecht bestellt sein.
Schwierig auf Sekundarstufe
Aus der Sicht des Kreuzlinger Schulpräsidenten stehen auf dem Lehrermarkt Angebot und Nachfrage derzeit im Gleichgewicht, was Primarschule und Kindergarten betrifft. Auf der Sekundarstufe musste er allerdings auch einige Stellen mit Bewerbern aus Deutschland und Österreich besetzen. «Die Thurgauer Löhne sind jetzt ganz sicher konkurrenzfähig», zeigt sich Walter Berger vom Amt für Volksschule überzeugt. Die Erhöhungen seien hochverdient, da die Ausbildung verlängert und viele Neuerungen eingeführt worden seien.
Berger geht von einer hohen Zufriedenheit der Thurgauer Lehrerschaft aus. Bei den Schulevaluationen liege sie jeweils bei «deutlich über 90 Prozent». Es komme immer darauf an, womit man vergleiche. In Zürich seien die Löhne im mittleren Alter zwar um rund 14 000 Franken höher als im Thurgau, doch auch Wohnungen und Versicherungsprämien seien teurer.
Die kantonale Auswertung der LCH-Umfrage wird erst Mitte Januar veröffentlicht. Ungewiss ist bis dahin, ob sich die auf Neujahr anstehenden Lohnerhöhungen bereits in den Umfrageergebnissen der Thurgauer Lehrkräfte niedergeschlagen haben. Der Thurgauer Grosse Rat hatte sie im Februar 2014 beschlossen. Die Befragung fand im Mai statt.
15 Jahre gewartet

Wie Anne Varenne, die Präsidentin von Bildung Thurgau, weiss, haben 49 Prozent ihrer Mitglieder daran teilgenommen. Varenne geht davon aus, dass die Lohnerhöhungen ihre Auswirkungen hatten. «Wir haben sie breit kommuniziert.» Sie betont, sie sei sehr zufrieden damit, dass die «Badewanne» trotz Sparzeiten aufgehoben worden sei. «Wir haben 15 Jahre darauf gewartet.» Nicht zufrieden sei sie nur mit der Abstufung der Primarschulheilpädagogen; ausserdem seien die Lehrerinnen für Werken und Gestalten mit Seminarausbildung nicht den PH-Absolventen gleichgestellt worden, wie es bei den Primarlehrern der Fall ist.

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