8. November 2014

Lehrplan sei zur Einführung bereit

Die Arbeiten am Lehrplan 21 sind beendet. Die Überarbeitung machte ihn schlanker und fokussierter. Nun kann er in den Kantonen implementiert werden. In keinem Kanton ist das Parlament für den Erlass zuständig.




Fortschrittlicher Unterricht mit am Boden sitzenden Primarschulkindern, Bild: Christoph Ruckstuhl

Lehrplan 21 bereit für die Einführung, NZZ, 8.11. von Michael Schoenenberger



Mit 19 zu 0 Stimmen bei 2 Enthaltungen hat die Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (D-EDK) den Lehrplan 21 zur Einführung in den Kantonen «freigegeben». Die Freigabe erfolgt nach einer Überarbeitungsphase, in der die wichtigsten Kritikpunkte der Konsultation beherzigt worden sind. So wurde der Umfang reduziert. Der Lehrplan findet statt auf 557 Seiten jetzt auf 470 Seiten Platz. War früher in der öffentlichen Debatte von gegen 5000 Kompetenzen die Rede, nennen die Lehrplanmacher nun die Zahl von 2304 Kompetenzstufen (vorher: 3123) und von 363 Kompetenzen (453). Der Lehrplan 21 sei, sagte der Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss (svp.) in Zürich, um 20 Prozent gekürzt worden.
Neu wird von Grundansprüchen, nicht mehr von Mindestansprüchen gesprochen. Diese wurden in einzelnen Bereichen gesenkt, wie das die Lehrerschaft mit Blick auf schwächere Schüler gefordert hatte. In den Fachbereichen Deutsch, Fremdsprachen, Mathematik und Naturwissenschaften entsprechen die Anforderungen weiterhin den nationalen Bildungsstandards. Wissen und Inhalte wurden in einzelnen Gebieten sichtbarer gemacht, denn die inhaltliche Beliebigkeit war kritisiert worden. Der Berner Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (gps.) meinte, der Vorwurf, Kompetenzen würden keine Bildungsinhalte mehr umfassen, sei «absurd».
Die Zürcher Regierungsrätin Regine Aeppli (sp.) sagte, jeder Kanton habe für sich zu entscheiden, wann, in welchem Verfahren und Umfang der Lehrplan 21 eingeführt werde. Sie betonte, der Lehrplan sei ein Instrument, kein Gesetz. In keinem Kanton liege die Zuständigkeit beim Parlament, weshalb ein Referendum ausgeschlossen sei. In 12 Kantonen entscheide die Regierung, in 8 Kantonen ein Bildungsrat und in einem Kanton die Erziehungsdirektion.
Die Einführung des Lehrplans 21 ist in den meisten Kantonen 2017/2018 geplant. Bis dahin wartet viel Arbeit. Teils existieren valable Lehrmittel, teils sind sie zu erarbeiten. Die Fortbildung der Lehrerschaft steckt in den Kinderschuhen, und wie sich die kantonalen Sparprogramme mit den nötigen Investitionen vertragen, ist offen. Dass der Lehrplan 21 weitere Harmonisierungen, etwa der Stundentafeln - mit entsprechenden finanziellen Konsequenzen -, nach sich ziehen wird, steht ausser Frage. Zwar macht der Lehrplan keine Vorgaben, aber er trifft Annahmen. «Ich gehe davon aus, dass sich die Stundentafeln der Kantone einander anpassen werden», sagte Aeppli, die überdies glaubt, dass sich Bewertungen und Zeugnisse mit der Zeit «angleichen» werden. Bereits arbeiten verschiedene kantonale Volksschulämter an gemeinsamen Bewertungsinstrumenten.
Volle Unterstützung des Lehrplans 21 sicherte der Dachverband der Lehrpersonen (LCH) wie auch der Verband der Schulleiter zu. LCH-Zentralpräsident Beat W. Zemp sagte, die Freigabe alleine reiche nicht. Der Lehrplan 21 sei von den Kantonen auch umzusetzen, wozu es Ressourcen und Zeit brauche.

Der Lehrplan 21 ist im Internet verfügbar. Kleinere redaktionelle und sprachliche Anpassungen stehen noch aus. Die druckfertige Version soll im März 2015 vorliegen.

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