Fortschrittlicher Unterricht mit am Boden sitzenden Primarschulkindern, Bild: Christoph Ruckstuhl
Lehrplan 21 bereit für die Einführung, NZZ, 8.11. von Michael Schoenenberger
Mit 19 zu 0 Stimmen bei 2 Enthaltungen hat die
Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (D-EDK) den Lehrplan 21 zur
Einführung in den Kantonen «freigegeben». Die Freigabe erfolgt nach einer
Überarbeitungsphase, in der die wichtigsten Kritikpunkte der Konsultation
beherzigt worden sind. So wurde der Umfang reduziert. Der Lehrplan findet statt
auf 557 Seiten jetzt auf 470 Seiten Platz. War früher in der öffentlichen
Debatte von gegen 5000 Kompetenzen die Rede, nennen die Lehrplanmacher nun die
Zahl von 2304 Kompetenzstufen (vorher: 3123) und von 363 Kompetenzen (453). Der
Lehrplan 21 sei, sagte der Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss (svp.) in
Zürich, um 20 Prozent gekürzt worden.
Neu wird von Grundansprüchen, nicht mehr von
Mindestansprüchen gesprochen. Diese wurden in einzelnen Bereichen gesenkt, wie
das die Lehrerschaft mit Blick auf schwächere Schüler gefordert hatte. In den
Fachbereichen Deutsch, Fremdsprachen, Mathematik und Naturwissenschaften
entsprechen die Anforderungen weiterhin den nationalen Bildungsstandards. Wissen
und Inhalte wurden in einzelnen Gebieten sichtbarer gemacht, denn die
inhaltliche Beliebigkeit war kritisiert worden. Der Berner Erziehungsdirektor
Bernhard Pulver (gps.) meinte, der Vorwurf, Kompetenzen würden keine
Bildungsinhalte mehr umfassen, sei «absurd».
Die Zürcher Regierungsrätin Regine Aeppli (sp.)
sagte, jeder Kanton habe für sich zu entscheiden, wann, in welchem Verfahren
und Umfang der Lehrplan 21 eingeführt werde. Sie betonte, der Lehrplan sei ein
Instrument, kein Gesetz. In keinem Kanton liege die Zuständigkeit beim
Parlament, weshalb ein Referendum ausgeschlossen sei. In 12 Kantonen entscheide
die Regierung, in 8 Kantonen ein Bildungsrat und in einem Kanton die
Erziehungsdirektion.
Die Einführung des Lehrplans 21 ist in den meisten
Kantonen 2017/2018 geplant. Bis dahin wartet viel Arbeit. Teils existieren
valable Lehrmittel, teils sind sie zu erarbeiten. Die Fortbildung der
Lehrerschaft steckt in den Kinderschuhen, und wie sich die kantonalen
Sparprogramme mit den nötigen Investitionen vertragen, ist offen. Dass der
Lehrplan 21 weitere Harmonisierungen, etwa der Stundentafeln - mit
entsprechenden finanziellen Konsequenzen -, nach sich ziehen wird, steht ausser
Frage. Zwar macht der Lehrplan keine Vorgaben, aber er trifft Annahmen. «Ich gehe
davon aus, dass sich die Stundentafeln der Kantone einander anpassen werden»,
sagte Aeppli, die überdies glaubt, dass sich Bewertungen und Zeugnisse mit der
Zeit «angleichen» werden. Bereits arbeiten verschiedene kantonale
Volksschulämter an gemeinsamen Bewertungsinstrumenten.
Volle Unterstützung des Lehrplans 21 sicherte der
Dachverband der Lehrpersonen (LCH) wie auch der Verband der Schulleiter zu.
LCH-Zentralpräsident Beat W. Zemp sagte, die Freigabe alleine reiche nicht. Der
Lehrplan 21 sei von den Kantonen auch umzusetzen, wozu es Ressourcen und Zeit
brauche.
Der Lehrplan 21 ist im Internet verfügbar. Kleinere
redaktionelle und sprachliche Anpassungen stehen noch aus. Die druckfertige
Version soll im März 2015 vorliegen.

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