Die
geplante Stundenerhöhung von Staatsrat Christophe Darbellay schlägt hohe Wellen.
Nun haben sich die Lehrer organisiert und starten eine Petition. Sie hoffen auf
ein Umdenken des Bildungsdirektors.
Lehrer erheben Mahnfinger, Walliser Bote, 16.10. von Mathias
Gottet
Als
Christophe Darbellay Anfang September im Haus der Generationen in Steg seine
Reform erklären wollte, traf er auf eine harte Wand. Sein Vorhaben: Bereits im
nächsten Schuljahr sollen die Kinder des ersten HarmoS-Zyklus einen Halbtag
mehr in die Schule. Für die Kinder im ersten Kindergarten bedeutet dies eine
Erhöhung von 12 auf 16 Schulstunden pro Woche, für diejenigen im zweiten
Kindergarten von 24 auf 28.
Viele
Lehrer, Eltern und Logopäden sahen dies damals in Steg kritisch. Und nun haben
sich die Lehrer zusammengeschlossen. Letzte Woche haben sie eine Petition ins
Leben gerufen und sammeln jetzt Unterschriften, um die Reform zu stoppen. «Uns
geht es vor allem darum, dass wir dem Bildungsdirektor noch einmal einen
Denkanstoss geben wollen», sagt Eveline Ritz. In der Petition fordern sie: «Wir
wollen nicht noch mehr Stunden für unsere jüngsten Schüler. 12 Lektionen für die
1H und 24 Lektionen für die 2H sind genug!»
Heute bereits aufeinem hohen Niveau
Eveline
Ritz ist Vorstandsmitglied des Vereins der Oberwalliser Primarschullehrer und
hat die Petition mitentworfen. Sie lehnt beide Varianten, die zurzeit in der
Vernehmlassung sind, ab.
Mit 24
Lektionen im zweiten Kindergarten liege man schweizweit bereits auf einem
hohen Niveau. Dies auf 28 Stunden zu erhöhen, sei deshalb kein Thema.
Einer-seits seien die Schüler mit den 24 Stunden bereits genügend gefordert.
Und laut PISA-Studien bedeute mehr Unterricht nicht zwingend bessere
Leistungen. Andererseits würden die Eltern den zusätzlichen freien Halbtag der
Kinder sehr schätzen. An den bisherigen schweizweiten Vergleichen kritisiert
sie, dass in anderen Kantonen, etwa in Bern, auch die Pausen als Schulzeit
mitgezählt werden. Rechne man die Pausen auch im Wallis mit ein, halte man mit
den anderen Kantonen mit.
Aufstockung im ersten Kindergarten möglich
Die
Situation im ersten Kindergarten sieht etwas anders aus. Hier liegt man im
schweizweiten Vergleich unter dem Durchschnitt. «Unter gewissen Vorbehalten
sehen wir eine Erhöhung auf der Stufe 1H als möglich an», sagt Ritz. Allerdings
sehen sie eine andere Aufteilung vor, als diese in den beiden Varianten des
Bildungsministers vorgesehen sind. «Wir wollen nicht, dass an die heutigen drei
Lektionen einfach eine vierte angehängt wird», sagt Ritz. Besser wäre sowohl
für die Kinder als auch für die Lehrer, wenn die zusätzlichen Lektionen an
einen weiteren Halbtag verteilt würden. Denn nach drei Lektionen seien die
jüngsten Schüler müde. Auch wegen des teils hohen Lärmpegels in den Klassen.
Eveline
Ritz ist selbst Kindergärtnerin in Lax. Nicht alle Kindergärtnerinnen seien der
gleichen Meinung wie sie. Dies zeigt auch eine Umfrage, die kürzlich unter den
Oberwalliser Lehrern durchgeführt wurde. Drei von vier Lehrern sagen, dass vier
Halbtage für die Kinder im ersten Kindergarten bereits genug sind.
Klassengrösse
beeinflusst die Meinungen
Die
Erzieherin Ritz interpretiert die unterschiedlichen Meinungen so: «Die
Kindergärtnerinnen, die in einem kleinen Ort mit Klassen von rund 14 Kindern
arbeiten, haben das Problem weniger.» Dann sei die Gruppe überschaubar und der
Lärmpegel entsprechend tiefer. Viele Lehrer müssen aber über 20 Kinder
betreuen. Und das teilweise in kleinen Zimmern.
Da die
Auswirkungen von HarmoS noch nicht absehbar sind, will der Verein der
Oberwalliser Primarschullehrer noch abwarten, bevor es bereits zu weiteren
Veränderungen kommt. Denn die ersten Rückmeldungen von Primarschullehrern
zeigen, dass die jüngeren Primarschüler mehr Pausen brauchen. Dass ein früher
Einstieg in das Schulsystem nicht immer positive Auswirkungen hat, zeigen auch
Zahlen aus Zürich: Fast jedes vierte Kind, das im Jahr 2010 früher als normal
eingeschult wurde, musste bis zum Ende der 3. Klasse eine Klasse repetieren.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen