25. November 2014

Nationalrat will Austauschprojekte stärken

Der Nationalrat will den Schüleraustausch über die Sprachgrenzen intensivieren. Bis jetzt fristen solche gegenseitigen Klassenbesuche eher ein Nischendasein.




"Spickzettel" für welsche Schüler, Bild: Stefan Anderegg

Schöne Worte über den Röstigraben, Berner Zeitung, 25.11. von Christoph Aebischer



Im Kanton Thurgau ist es beschlossene Sache, im Kanton Nidwalden erklärtes Ziel: Französisch wird erst ab der Oberstufe unterrichtet. Vorwürfe aus der Politik, damit nehme der nationale Zusammenhalt Schaden, beschwichtigt man mit dem Argument, dafür Sprachaustausche für obligatorisch zu erklären.
Gestern hat sich nun der Nationalrat mit dem Thema «beschäftigt»: Er überwies ohne Wortmeldung und einstimmig ein Postulat, das beim Bundesrat ein Konzept für einen «systematischen Sprachaustausch» anregt. Anstoss dazu gab die Kommission für Wirtschaft, Bildung und Kultur (WBK).
Gemeinsam mit den Kantonen
Der Bundesrat befürwortete in seiner Stellungnahme einen Bericht zur «Verbesserung und Förderung des schulischen Austausches». Einerseits geht es um den Austausch von angehenden Lehrkräften und von Sprachlehrern. Anderseits möchten die Postulanten Vorschläge, wie Kontakte unter und gegenseitige Besuche von Partnerklassen gefördert werden können. Das Konzept soll in Zusammenarbeit mit den Kantonen erstellt werden. Diese sind offen dafür: Die Konferenz der Schweizer Erziehungsdirektoren hat schon Ende Oktober beschlossen, Austauschprojekte zu stärken.
«Sportwochen sind teurer»
Der Waadtländer Grossrat Jean-Marc Nicolet (Grüne) war bis vor seiner Pension letzten Sommer selber Lehrer in Blonay oberhalb von Montreux und führte diverse Austauschwochen mit Deutschschweizer Klassen durch. Er begrüsst die Stossrichtung des Nationalratsbeschlusses. Allerdings findet er, dass der Bund auch finanziell mehr beitragen sollte. «Das wäre ein schönes Zeichen.» Bis jetzt zahlt dieser pro Jahr eine Million Franken.
Der verbreiteten Meinung, solche Austauschwochen hätten viel finanziellen und personellen Aufwand zur Folge, pflichtet Nicolet allerdings nur teilweise bei: «Eine Skiwoche oder eine Projektwoche sind sicher teurer», sagt er aus eigener Erfahrung. Dies darum, weil die Kinder ja bei einer Gastfamilie wohnen würden. «Natürlich bedeuten solche Projekte für den Lehrer Extraaufwand. Dafür konnte ich viele schöne Erfahrungen sammeln.» Im aktuellen Sprachenstreit gehört Nicolet zu den besonnenen Stimmen aus der Romandie. Neben dem Büffeln von Vokabeln machten direkte Kontakte in die andere Landesregion das Zusammenleben im mehrsprachigen Land lebendig, ist er überzeugt.
Sprachaustausche fristen aber eher ein Mauerblümchendasein. Nur gerade 645 Schulklassen profitierten im Schuljahr 2012/2013 von der Unterstützung der CH-Stiftung. Die Stiftung für eidgenössische Zusammenarbeit leistet im Auftrag des Bundes finanzielle Beiträge an Austauschprojekte.


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