Die Aargauer Regierung möchte ab 2018 die Schulkommissionen abschaffen und deren Kompetenzen an den Gemeinderat übertragen.
Fast jeder zweite Schulleiter findet Schulkommissionen überflüssig, Aargauer Zeitung, 27.3.
In der Schweiz haben
traditionell Schulkommissionen, in denen sich die Bürger ehrenamtlich
engagieren, die Führung der Volksschule inne. Mit der so genannten
Teilautonomisierung der Schulen sind diese Laienkommissionen aber unter Druck
geraten. Es ist umstritten, ob sie als Bindeglied zwischen dem Gemeinderat und
den neuen professionellen Schulleitungen dienen sollen.
Keine Personalentscheide
Forscher der Uni Zürich und
der Fachhochschule Nordwestschweiz befragten 270
Schulleitungen in allen Kantonen der französisch- und der deutschsprachigen
Schweiz. Die Auswertung zeigt, dass Schulkommissionen nach wie vor von grosser
Bedeutung sind.
86 Prozent der Befragten
geben an, dass es in ihren Schulgemeinden solche Kommissionen gibt. 80 Prozent
der Kommissionen besitzen weiterhin Entscheidungskompetenzen. Die professionellen
Schulleitungen stehen den Schulkommissionen eher kritisch gegenüber. 45 Prozent
der Befragten finden sie überflüssig, 60 Prozent halten es für eher oder ganz
falsch, dass sie Personalentscheide treffen.
Zwei Drittel finden jedoch,
dass die Kommissionen für die Verwurzelung der Schule in der Gemeinde wichtig
sind, und knapp die Hälfte hält sie für geeignet, Finanzentscheide zu treffen.
Mehr Spielraum und mehr
Aufgaben
Laut dem Bildungssoziologen
Carsten Quesel könnte die Ambivalenz der Einschätzungen daher rühren, dass die
Abschaffung der Laienkommissionen den Spielraum der Schulleitungen vergrössert,
sie aber auch mit zusätzlichen Arbeiten und Aufgaben belastet, vor allem
seitens des Gemeinderats.
Skepsis gegenüber Elternräten
Bei der Frage, ob Elternräte
ein sinnvoller Ersatz für die traditionellen Kommissionen seien, zeigen sich
die Schulleitungen skeptisch. Nur 40 Prozent sehen diese als sinnvolles
Bindeglied zwischen der Schule und den Eltern. Die grosse Mehrheit vertritt die
Ansicht, solche Räte würden durch fehlendes Engagement oder durch
Sonderinteressen gelähmt.
Einig sind sich die
Befragten, dass Elternräte keine Entscheidungskompetenzen bei der Schulführung
haben sollten. Die Schulleitungen sehen die Aufgaben von Elternräten primär
darin, den Dialog zwischen Eltern, Schülern und Lehrpersonen zu fördern und das
schulische Leben mit Veranstaltungen zu bereichern. «Die Schulleitungen
schätzen das freiwillige Engagement der Eltern, bezweifeln aber, dass es in
Form eines Elternrats verankert werden sollte, weil es so zu einem
unproduktiven Ritual geraten kann», sagt Carsten Quesel.
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