29. Oktober 2018

Höchste Zeit für eine Denkpause


Bisher konnte man in Sachen Schule den Behörden vertrauen. Doch der Unmut wächst, das zeigen die zahlreichen Initiativen zum Bildungswesen deutlich. Die Schule geht uns alle etwas an. Ein unerprobtes Schul-Experiment auf Kosten der Kinder – das geht zu weit. Da gehört eine Korrektur hin. Kritische Stimmen werden lauter und zahlreicher: Im Kanton Basel-Land, wo schon seit einigen Jahren nach dem umstrittenen Lehrplan 21 unterrichtet wird, stimmte die Bevölkerung mit einem deutlichen Ja dafür (84 %), dass Jahresziele und Themen wieder klar definiert sind. 
Höchste Zeit für eine Denkpause, Südostschweiz, 29.10. Leserbrief von Elisabeth Calcagnini


Zunehmend werden unstrukturierte und einseitig ideologische Lehrmittel angeprangert. Gegen ein untaugliches, mit dem Lehrplan 21 kompatibles Französischlehrmittel laufen viele Lehrpersonen in den Kantonen Solothurn und Baselland Sturm. Recherchen der NZZ haben ergeben, dass in den Lehrmitteln des Kantons Zürichs das Gebot der politischen Neutralität wenig bis gar nicht beachtet wurde. Im Tessin sagte die Bevölkerung am 23. September Nein zu einem Schulversuch, der die «scuola che verrà», das Pendant zum Lehrplan 21, erst einmal erproben wollte. 

Seit über zwanzig Jahren dauert nun diese nicht endende Reformflut. Selbst Bildungsforscher können die Frage nach den Resultaten nicht beantworten, was im Klartext heisst, es sind keine positiven Ergebnisse zu verzeichnen. In Deutschland fällt die Bilanz nach über zehn Jahren Erfahrung mit der Kompetenzorientierung vernichtend aus. Die Folgen sind dramatisches Schwinden von Wissen und Können. 

Trotz dieser alarmierenden Zeichen und Ergebnisse passen die Deutschschweizer Kantone ihr Bildungswesen freiwillig genau diesen von aussen gesteuerten Reformen an. Schritt für Schritt entfernen die zuständigen Bildungsgremien sich damit von unserer erfolgreichen Volksschule.    
         
Man sollte es zur Kenntnis nehmen: Der Wind hat sich bereits gedreht. Mit einem Ja zur Doppelinitiative zu mehr Mitsprache im Bildungswesen kann die Bevölkerung nun signalisieren, dass es höchste Zeit ist für eine Denkpause. Im bereits eingeführten Lehrplan 21 können ohne grossen Aufwand Inhalte und Jahresziele definiert werden. Das Schulwesen ist einer der wichtigsten Bereiche unseres gesellschaftlichen Lebens, da wollen wir die Eigenständigkeit bewahren. Diese Initiative zeigt einen gangbaren Weg auf, damit unsere Schule gut bleibt und sich vernünftig weiter entwickeln kann.    


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen