Mit dem Lehrplan 21 beginnt an den Schulen eine neue Ära. Auch um Winterthur befassen sich die Lehrer mit dem neuen Planungsinstrument. Sie sind nicht mit allem glücklich.
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Lehrerverbände stehen noch hinter dem Lehrplan 21, Bild: Landbote
Die Fronten verhärten sich, Landbote, 15.6. von Nadja Ehrbar
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Zwei Fremdsprachen in der
Primarschule: Ist das sinnvoll? 31 Lektionen in der Mittelstufe: Überfordert
das die Schüler? Solche und andere Fragen diskutieren derzeit jene, die sich
vertieft mit dem Lehrplan 21 auseinandersetzen. Das Papier soll die
Bildungsziele in den deutschsprachigen Kantonen vereinheitlichen und ist im
Kanton Zürich derzeit in der Vernehmlassung.
Per Schuljahr
2018/19 soll es zuerst im Kindergarten und in der ersten bis fünften
Primarklasse eingeführt werden. Während sich in 13 von 21 Kantonen
politischer Widerstand formiert und die Kritiker sich immer lauter zu Wort
melden, stellen sich die Lehrerverbände noch hinter das Projekt. Was aber
halten Schulleiter und Lehrpersonen in der Region Winterthur von dem neuen
Planungsinstrument? Fünf von 15 angefragten Schulleitungen haben sich gegenüber
dem «Landboten» zum Thema geäussert.
Reformen gewohnt
Die Umfrage
hat ergeben: Vielerorts ist die Haltung positiv. Man sei sich Reformen gewohnt,
heisst es. Und es sei gut, dass man aktuellen Entwicklungen Rechnung trage. Für
die Schulleiterinnen in Elgg und im Flaachtal ist klar: Es ist gut und richtig,
dass das bisherige Papier abgelöst wird. «Unsere Gesellschaft verändert sich,
also muss sich auch die Schule anpassen», sagt Silvia Soldini, Schulleiterin in
Elgg. Mit dem neuen Lehrplan werde das Rad nicht neu erfunden. «Vieles setzen
wir jetzt schon um.» So müssten die Schüler bereits heute eigene Ziele
formulieren.
Sarah Knüsel,
Leiterin der Primarschule Dorf und Volken, ist bereits daran, die notwendigen
Weiterbildungen für ihr Lehrerteam zu planen. «Die Schulungen halten sich bei
uns zeitlich und finanziell im üblichen Rahmen», sagt sie. Knüsel schätzt es,
dass es in der Verantwortung der Schulleitungen liege, die Schulen für den
neuen Lehrplan fit zu machen. Ebenso, dass die betroffenen Personalverbände
mitarbeiten konnten. Für die Initiative der Gegner hat
sie allerdings gar kein Verständnis.
Die Kritiker
hätten verkannt, dass sich die Schule in den letzten 50 Jahren gewandelt habe.
«Sie kann ohne Schulleitungen nicht mehr funktionieren.» Das Volk sei zudem
nicht imstande, einen derart umfangreichen Lehrplan und die damit verbundenen
Konsequenzen umfassend zu beurteilen, ist Knüsel überzeugt.
Lektionenzahl überfordert
An der
Primarschule Breiti-Risi in Turbenthal haben sich Schulleiter und Lehrpersonen
an einer Schulentwicklungstagung bereits eingehend mit dem Lehrplan 21 befasst.
Zu reden gab die geplante Erhöhung der Lektionenzahl. Zusammen mit den
Hausaufgabenstunden seien die Schüler der Mittelstufe damit zu sehr belastet,
lautete ihr Fazit. Viele Lehrpersonen fragten sich aufgrund ihrer Erfahrungen,
wie sinnvoll eine zweite Fremdsprache auf der Primarstufe sei, sagt Schulleiter
Kaspar Schüpbach.
Noch keine
fundierte Aussage machen kann Otto Schottenhaml, Leiter der Primarschule
Eselriet in Effretikon: «Wir sind noch nicht so weit.» Er ist sich aber
bewusst, «dass eine grosse Geschichte auf uns zukommt». Widerstände habe er in
der Lehrerschaft bisher keine ausmachen können. «Das wird sich vielleicht
ändern, wenn konkret wird, was der neue Lehrplan 21 bedeutet.»
An der
Sekundarschule Andelfingen wird der Lehrplan erst 2019 eingeführt. Man habe
sich deshalb noch nicht vertieft mit dem Thema auseinandergesetzt, sagt Schulleiter
Hermann Wyss. «Ich warte die Vernehmlassung und die angekündigten
Weiterbildungen für Schulleitungen ab», gibt er zu Protokoll.
Ein erklärter
Kritiker des neuen Lehrplans ist der ehemalige Sekundarlehrer von
Illnau-Effretikon Hanspeter Amstutz. Das Papier sei zu überladen, die Schüler
würden überfordert, sagt er.
Die Einführung
des Lehrplans 21 kostet den Kanton rund 4 Millionen Franken. Davon sind 2,65
Millionen für Unterstützungsleistungen an die Schulen gedacht. Die Kosten für die
Einführung von Medien und Informatik würden derzeit noch abgeklärt, sagt
Brigitte Mühlemann, stellvertretende Chefin des Volksschulamtes. Tragen müssen
sie die Gemeinden.
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