"Spickzettel" für welsche Schüler, Bild: Stefan Anderegg
Schöne Worte über den Röstigraben, Berner Zeitung, 25.11. von Christoph Aebischer
Im Kanton
Thurgau ist es beschlossene Sache, im Kanton Nidwalden erklärtes Ziel:
Französisch wird erst ab der Oberstufe unterrichtet. Vorwürfe aus der Politik,
damit nehme der nationale Zusammenhalt Schaden, beschwichtigt man mit dem
Argument, dafür Sprachaustausche für obligatorisch zu erklären.
Gestern hat
sich nun der Nationalrat mit dem Thema «beschäftigt»: Er überwies ohne
Wortmeldung und einstimmig ein Postulat, das beim Bundesrat ein Konzept für
einen «systematischen Sprachaustausch» anregt. Anstoss dazu gab die Kommission
für Wirtschaft, Bildung und Kultur (WBK).
Gemeinsam mit den Kantonen
Der Bundesrat
befürwortete in seiner Stellungnahme einen Bericht zur «Verbesserung und
Förderung des schulischen Austausches». Einerseits geht es um den Austausch von
angehenden Lehrkräften und von Sprachlehrern. Anderseits möchten die
Postulanten Vorschläge, wie Kontakte unter und gegenseitige Besuche von
Partnerklassen gefördert werden können. Das Konzept soll in Zusammenarbeit mit
den Kantonen erstellt werden. Diese sind offen dafür: Die Konferenz der
Schweizer Erziehungsdirektoren hat schon Ende Oktober beschlossen,
Austauschprojekte zu stärken.
«Sportwochen sind teurer»
Der
Waadtländer Grossrat Jean-Marc Nicolet (Grüne) war bis vor seiner Pension
letzten Sommer selber Lehrer in Blonay oberhalb von Montreux und führte diverse
Austauschwochen mit Deutschschweizer Klassen durch. Er begrüsst die
Stossrichtung des Nationalratsbeschlusses. Allerdings findet er, dass der Bund
auch finanziell mehr beitragen sollte. «Das wäre ein schönes Zeichen.» Bis
jetzt zahlt dieser pro Jahr eine Million Franken.
Der
verbreiteten Meinung, solche Austauschwochen hätten viel finanziellen und personellen
Aufwand zur Folge, pflichtet Nicolet allerdings nur teilweise bei: «Eine
Skiwoche oder eine Projektwoche sind sicher teurer», sagt er aus eigener
Erfahrung. Dies darum, weil die Kinder ja bei einer Gastfamilie wohnen würden.
«Natürlich bedeuten solche Projekte für den Lehrer Extraaufwand. Dafür konnte
ich viele schöne Erfahrungen sammeln.» Im aktuellen Sprachenstreit gehört
Nicolet zu den besonnenen Stimmen aus der Romandie. Neben dem Büffeln von
Vokabeln machten direkte Kontakte in die andere Landesregion das Zusammenleben
im mehrsprachigen Land lebendig, ist er überzeugt.
Sprachaustausche
fristen aber eher ein Mauerblümchendasein. Nur gerade 645 Schulklassen
profitierten im Schuljahr 2012/2013 von der Unterstützung der CH-Stiftung. Die
Stiftung für eidgenössische Zusammenarbeit leistet im Auftrag des Bundes
finanzielle Beiträge an Austauschprojekte.

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