6. November 2016

HfH übt sich in politischer Einflussnahme

Die interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH) in Zürich darf sich nicht in die aktuelle politische Debatte um Kleinklassen im Kanton Aargau einbringen. Die Rektorin der Schule, Barbara Fäh, hat diese Woche den Versand einesDossiers gestoppt, mit dem die Fachleute ihrer Schule die Aargauer Politikervom Wert der Kleinklassen überzeugen wollten. «Den Entscheid habe ich als Rektorin gefällt, nachdem der Kanton Aargau mit mir Kontakt aufgenommen hat», sagt Fäh.
Hochschule wurde zu politisch, NZZaS, 6.11. von René Donzé

Offensichtlich hat die in dieser Zeitung letzten Sonntag angekündigte Aktion im Aargau für Unmut gesorgt. Am Dienstag wird der Grosse Rat zwei Vorstösse debattieren, in denen es darum geht, die integrative Schulung wieder abzuschaffen und zum System mit Kleinklassen zurückzukehren. In ihrem Plädoyer wollte die Hochschule den Politikern dringlich raten, beim gegenwärtigen System zu bleiben.

Im Bildungsdepartement des Kantons Aargau, der zu den 13 Trägerkantonen der Hochschule gehört, kam der geplante Aufruf nicht gut an. «Die Hochschule soll Fakten liefern, die Interpretation dieser Fakten aber der Politik überlassen», sagt Olivier Dinichert, Leiter der Abteilung Hochschulen und Sport. Er ist gleichzeitig auch Vertreter des Aargaus im Hochschulrat der HfH. Gestört hat ihn, dass die Unterlagen im Hinblick auf die Ratsdebatte erstellt wurden und eine dringliche Empfehlung enthielten. «Das hätte vom Grossen Rat als Einflussversuch wahrgenommen werden können, da die HfH ein Eigeninteresse an der Ausbildung von Heilpädagogen hat.»

Gestützt wird diese Haltung auch vom Präsidenten des HfH-Hochschulrates, Sebastian Brändli von der Zürcher Bildungsdirektion. «Eine Hochschule sollte sich nicht direkt in laufende politische Diskussionen einmischen», sagt er. «Das gilt meiner Meinung nach für alle öffentlichen Hochschulen.» Da sie von der öffentlichen Hand getragen werden, sollten sie sich neutral verhalten.

Rektorin Fäh versteht die Einwände, die Dinichert bei ihr deponiert hatte. Man habe das vorher einfach anders eingeschätzt. «Wir wollen als Hochschule wahrgenommen werden und nicht als politischer Akteur.» Darum hat die HfH nun statt eines Versands die Fakten zum Thema ohne direkten Aargauer Bezug und ohne Abstimmungsempfehlung auf der Webseite aufgeschaltet. So sind sie auch Politikern anderer Kantone zugänglich, wo ebenfalls über das Thema diskutiert wird.


Kommentare:

  1. Herr Donzé hat einen hübschen Bock geschossen. In der aktuellen unübersichtlichen Jagdsaison kann es schon mal passieren, dass sinnvolles mit unsinnigem verwechselt wird. Kleinklassen wären tatsächlich in gewissen Fällen ein Segen für alle Beteiligten. Dass man sich an der HfH jedoch deren Wertes besinnt, wird wohl erst ein zünftiger Praxisschock bewirken. Bis dahin ist es sicher besser, wenn sich diese abgehobenen "Experten" nicht in die Politik einmischen.

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